Als mich die Journalistin Kira von der Brelie vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) für ein Interview zum Thema Birding anfragte, hatte ich keine Ahnung, dass es am Ende in mehr als einem Dutzend Zeitungen in ganz Deutschland erscheinen würde. Und ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass ich eine so überraschende Frage gestellt bekommen würde, wie die nach der Bird Theory.
Du kennst sie vielleicht: Laut einem Trend in sozialen Netzwerken soll man die Qualität einer Beziehung daran erkennen können, ob der Partner oder die Partnerin auf die beiläufige Bemerkung "Ich habe heute Morgen einen Vogel gesehen" interessiert reagiert oder nicht. Im Interview wurde ich gefragt, was ich davon halte. Was für eine coole Frage!
Mir leuchtet dieser Test sofort ein, auch wenn er vielleicht ein bisschen albern klingen mag. Natürlich geht es dabei nicht wirklich um Vögel. Es geht darum, ob jemand interessiert ist. Ob sie oder er sich für das interessiert, was dem Gegenüber bemerkenswert erscheint, auch wenn es klein und unspektakulär scheinen mag.
Auch wenn es mir als Vogelfan in der Seele weh tut: Vögel sind dafür ein ideales Testsubjekt, weil sie so leicht übersehen werden. Für viele Menschen sind sie Hintergrundrauschen im Alltag: Sie hören sie, ohne sie wirklich wahrzunehmen oder hinzuhören. Wer bei der Erwähnung eines Vogels innehält und nachfragt, obwohl er oder sie sich nicht für Vögel interessiert, zeigt echtes Interesse am Gegenüber.
Das hat übrigens auch viel damit zu tun, warum Vogelbeobachtung uns so guttut: Es zwingt uns, genau diese Art von Aufmerksamkeit zu üben.
Was nicht in der Zeitung stand, aber natürlich komplett offensichtlich ist: Wenn mir jemand erzählen würde, dass sie oder er an dem Morgen einen Vogel gesehen hat, wäre ich natürlich sofort Ohr und würde fragen: "Cool, welchen?". Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das bedeuten würde, dass ich den Test bestanden hätte.
Die andere Frage, die mich nach der Veröffentlichung beschäftigt hat, war die letzte. Ich habe dort nämlich ziemlich direkt gesagt, dass die größte Bedrohung für Vögel nicht unsere Schottergärten in den Städten sind und dass auch die Fütterung im Garten die Vogelwelt nicht retten wird.
Was viel wichtiger ist, um Vögel zu schützen, ist, dass wir unseren Konsum verändern, besonders den Konsum von Fleisch und Milchprodukten reduzieren. Da dabei ein Vielfaches der Fläche verbraucht wird, die nötig wäre, um direkt menschliche Nahrung anzubauen, verlieren Tiere und Pflanzen wichtigen Lebensraum. Das ist eine unbequeme Aussage, und ich war ehrlich gesagt überrascht und sehr erfreut, dass sie in allen Zeitungen so abgedruckt wurde. Es tut sich also doch langsam etwas in unserer Gesellschaft.
Das Interview erschien in der Badischen Zeitung, den Badischen Neuesten Nachrichten, der Celleschen Zeitung, dem Göttinger Tageblatt, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, den Kieler Nachrichten, der Leipziger Volkszeitung, den Lüneburger Nachrichten, der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der Neuen Westfälischen, der Neuen Presse, der Oberhessischen Presse, der Ostsee-Zeitung, der Sächsischen Zeitung und vermutlich in noch einigen mehr, die ich noch gar nicht auf dem Schirm habe.
Falls du es verpasst hast, kannst du das vollständige Interview hier beim RND lesen. Sie haben es übrigens auch toll aufbereitet. Unter anderem gibt es eine Sammlung von passenden Vogelstimmen zum Anhören.












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