Über die Vogelguckerin

Schon als Kind sah ich mir auf Spaziergängen gerne die Schautafeln mit den Vögeln des Waldes an und hoffte immer, mal einen dieser Vögel zu sehen: einen Buntspecht vielleicht oder mal einen Kleiber. Das kam mir damals sehr unwahrscheinlich vor, weil niemand in meiner Familie bisher etwas anderes als eine Meise oder eine Amsel gesehen zu haben schien.

Im Laufe der Jahre habe ich mir selbst beigebracht, Vögel zu sehen – und plötzlich waren sie überall. Eine grüne Wiese ist jetzt nicht mehr nur eine grüne Wiese, sondern ich sehe überall Vögel durch die Büsche turnen und höre sie in der Umgebung zwitschern, tschilpen und schwatzen. Es ist, als sei da ein weiteres Realitätslevel freigeschaltet. Vögel haben meine Welt größer, bunter und lebenswerter gemacht.

Nach dem Sehen kam das Wissen und je mehr ich über Vögel weiß, desto mehr staune ich über das, was sie tun, können, sind. Und ich liebe es zu staunen! Wenn ich genau hinschaue, entdecke ich an jeder Vogelart etwas Spannendes. Deshalb finde ich eine alltägliche Blaumeise oder eine braune Heckenbraunelle genauso spannend wie einen knallbunten Bienenfresser oder einen bei uns raren Graubrust-Strandläufer.

Was nie von alleine kam: Andere Menschen, die sich für Vögel begeistern. Zumindest nicht so, wie ich das tue. Zugegeben: Ich traf Menschen (let’s be honest here: hauptsächlich Männer), die sich auch für Vögel interessiere und viel, viel mehr wissen als ich, aber ich passe nicht dazu. Ich möchte keine graumelierten Fachdiskussionen führen, Verwandschaftsverhältnisse aufsagen können, meine »Sichtungserfolge« mit anderen vergleichen, beim Sonntagsspaziergang Tarnkleidung tragen, wissenschaftlich-auswertbare Erfassungslisten führen oder durch die halbe Republik jagen, um eine Seltenheit abzuhaken.

All das ist nicht meins. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass meine Art, mich für Vögel zu begeistern, anders, aber genauso wertvoll ist. Und dass es noch mehr Frauen geben muss, die wie ich weder in die khakifarbene Altherrenwelt der Ornis, noch in die ehrgeizige Sammelwelt der Twitcher passen.

Und genau an diesem Punkt der Erkenntnis habe ich die Vogelguckerin erfunden. Da ich Menschen wie mich lange nicht finden konnte, bin ich mit meiner Begeisterung rausgegangen, habe angefangen auf Instagram und hier im Blog über Vögel und ihre Faszination zu reden. Nach und nach habe ich dadurch genau die Menschen zu mir gezogen, die die Vogelwelt so sehen wie ich. Ich bin nicht mehr allein, juhu!

Meine besondere Art der Vogel-Begeisterung möchte ich mit anderen teilen und ihnen den Weg zu diesem Staunen so einfach wie möglich gestalten. Meine Mission ist, besonders Frauen für Vögel zu begeistern und ihnen die Tür zu dieser wundersame Welt zu öffnen. Ich hoffe, damit unsere Welt auch wieder zu einem besseren Ort für Vögel zu machen, denn ich bin fest davon überzeugt, dass wir nur das schützen können, was wir sehen und lieben.

Vogelguckerin in den Medien

In 2021 habe ich bei der dreiteiligen MDR-Doku »Das Geheimnis der Vögel« mitgearbeitet, die noch in der ARD-Mediathak verfügbar ist.

Die WLZ brachte im Januar 2022 einen ganzseitigen Artikel über mich, über den ich mich sehr gefreut habe. Er wurde auch in der Wochenendausgabe der HNA veröffentlicht.