Warum ausgerechnet Cuxhaven?

„Oh, Cuxhaven! Da habe ich als Kind immer Urlaub gemacht“ – diesen Satz habe ich in den letzten Monaten sehr oft gehört, wenn ich erzählt habe, dass wir nach Cuxhaven ziehen. „Cool, gib mir Tipps!“ habe ich meistens geantwortet, denn ich habe hier noch nie Urlaub gemacht!

Cuxland, nur ein Paradies für Rentner*innen?

Auf meinem Weg von oder nach Helgoland hatte ich ein paarmal hier übernachtet, als Studentin war ich mit dem besten Semesterticket der Welt zwei-, dreimal für Tagesausflüge hier am Strand oder hatte mich am Bahnhof von meiner Tante abholen lassen – aber Urlaub? Urlaub hätte ich hier niemals gemacht! Wenn schon Nordsee, dann die Richtige. Und „richtig“ hieß für mich: die Inseln. Oder die Nordsee vor den Niederlanden. Cuxhaven kam mir wie ein Rentner*innenparadies vor, wie ein Familienurlaubsziel zum Sandburgenbauen. Und ich passte weder in die eine noch in die andere Kategorie.

Dass die Nordsee in meinem Herzen ist, war schon klar, als ich als Kind in Schillig laufen lernte. Ich liebe das Watt. Und ich liebe die Nordsee, besonders wenn sie viel Wumms hat. Meine Liebe geht so weit, dass ich, als ich mal an einem Traumstrand in der Südsee saß (so einem richtigen mit wedelnden Palmen, bunten Fische im Wasser, bunten Vögel in den Bäumen, den kitschigsten Sonnenuntergängen), in meinen Reiseblog schrieb „Es ist zwar schön hier, aber es ist halt nicht die Nordsee.“ Auch in der Südsee sehnte ich mich nach dem Wumms der Nordsee.

Und sind wir mal ehrlich: Wumms hat die Nordsee vor Cuxhaven eher nicht. Dachte ich zumindest. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass sie im Winter ganz schön viel Wumms haben kann. Und dass Wumms nicht alles ist.

Wir kannten Cuxhaven quasi gar nicht, bevor wir hierherzogen. Und das, was wir wussten (Alte Liebe, Shanty Chor, Kugelbake, Wohnmobilstellplatz, Fischerei, Schifffahrt) erweckte eher den Eindruck, als seien wir hier an der falschen Adresse, als am Ziel unserer Träume.

Eigentlich voll klar, dass ich hier wohnen muss: Es gibt ein Vogelzugdenkmal in Cuxhaven

Warum also Cuxhaven?

Dass wir uns für Cuxhaven entschieden haben, hatte pragmatische Gründe. Wir wollten ans Meer. Für Cuxhaven sprach:

  • Es hat Bahnanbindung – was alles andere als selbstverständlich ist an der deutschen Nordseeküste. Da wir kein Auto haben, aber beide Jobs haben, bei denen wir unseren Wohnort immer wieder verlassen wollen, war das ein riesiger Pluspunkt.
  • Teams aus Cuxhaven haben in den letzten Jahre die vorderen Plätze beim Birdrace belegt (Grüße gehen raus!). Wattenmeer, Wald, Heide, Flussauen: Die Lebensraumvielfalt hier ist ziemlich einzigartig an der deutschen Küste.
  • Die Größe erschien uns gut, um einerseits viel Freiraum und Platz zu bieten und andererseits auch kulturelle Angebote und so handfeste Dinge wie einen Baumarkt in der Nähe zu haben.

Den Ausschlag gab am Ende unsere Wohnung!

Wir hatten schon ein Jahr vergeblich an der gesamten norddeutschen Küste gesucht und die Häuser oder Wohnungen, die uns überzeugt hatten, nie bekommen. Während der heißen Manuskriptphase meines Buches haben wir erstmal aufgehört mit dem Suchen. Und als wir wieder anfingen, war diese Wohnung die erste, die wir besichtigt haben und haben wollten! Die beste Lage, die wir jemals auf dem Markt gesehen haben. Die coolste Ausstattung. Und das alles für ein paar Euro weniger, als wir für unsere Wohnung in der Großstadt bezahlt hatten. Und wir bekamen tatsächlich den Zuschlag. Unser kleines Wunder.

Trottellumme. Und ganz viel Cux-Charme.

Wie Cuxhaven bisher so ist

Seit wir hier wohnen ist unser Leben wieder ein kleines Abenteuer und wir grooven uns ein. Eine neue Friseurin zu finden ist allerdings mehr Abenteuer, als mir lieb ist. Einige Ärzt*innen nehmen keine neuen Patient*innen an. Dafür lud der Bürgermeister zum Neujahrsempfang. Viele Produkte, die bisher zu unserem Leben gehörten, gibt es hier nicht. Wir entdecken Neues, richten uns neu aus. Immer wieder merke ich, dass die Uhren hier anders ticken. Auch wenn ich darüber oft schmunzeln muss, tut mir diese neue Lebensgeschwindigkeit sehr gut!

Inzwischen klingt der Name „Cuxhaven“ auch nicht mehr so altbacken, wie er früher für mich klang. Er klingt langsam nach Zuhause.

Zu behaupten, wir wären längst angekommen und würden mit offenen Armen empfangen, wäre vielleicht übertrieben, aber wir merken, dass wir einen Unterschied hier machen. In der Großstadt ist es egal, ob man zum Turnverein, zum Ornitreff, zum Schwedischkurs geht. Alles verläuft sich schneller wieder, bleibt unverbindlicher und wenn ich nicht dabei bin, dann nimmt jemand anders meinen Platz ein. In Bremen, Dublin, Stuttgart, Göttingen ist mehr Fluktuation, Menschen kommen und gehen. Die Anonymität durchbrechen zu wollen ist schwerer als hier. Ein neues Lebensgefühl.

Als Urlaubsregion sind die Menschen hier an neue Menschen gewöhnt und sie sind offener, freundlicher. Keine Ahnung, ob dieser Eindruck auf Dauer Bestand hat, aber immerhin grüßen wir uns beim Spazierengehen mit einem flotten „Moin!“ und wir haben von Menschen um uns herum Willkommens- und Weihnachtsgeschenke bekommen. Das macht was mit uns.

Am 27. Januar 2024 haben um die 4.000 Menschen in Cuxhaven für Vielfalt demonstriert. Für eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnenden finde ich das beachtlich. Am Abend hörte ich, wie mein Mann am Telefon sagte: „Ich bin stolz auf unsere Stadt!“. Und nach nur 4 Monaten kann ich dem bereits zustimmen.

Angekommen: Die Vogelguckerin wohnt jetzt in Cuxhaven.

von | 7. Feb 2024 | Persönliches

aktualisiert:
8. Feb 2024

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

MDR-Doku: „Das Geheimnis der Vögel“

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2 Kommentare

  1. Liebe Silke,

    du bringst mich echt zum Schmunzeln. Ich sehe sie vor mir, die Nordsee, besonders wenn sie viel Wumms hat. Das rauscht und kracht. Und ich als Mensch werde demütig, weil ich als Mensch dagegen so klein bin.

    Es ist ein Gefühl, das ich grundsätzlich habe, wenn ich den Gewalten der Natur gegenüberstehe.

    Wie wahr ist auch dein Satz:

    „Immer wieder merke ich, dass die Uhren hier anders ticken. Auch wenn ich darüber oft schmunzeln muss, tut mir diese neue Lebensgeschwindigkeit sehr gut!“

    Genau das habe ich auch erfahren, seit ich aus dem Ballungsgebiet zwischen Stuttgart und Karlsruhe nach hier in den Norden gezogen bin. Die Menschen hier sind anders und die Natur ist anders. Und das empfinde ich als sehr wohltuend.

    Lass uns doch einmal treffen. Es ist nur ein kurzer Weg der Elbe entlang. Sogar mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg ist es bequem zu schaffen.

    Antworten
    • Liebe Edith,
      puh, da muss ich erst noch ein bisschen fitter werden, bis ich 160km bequem mit dem Fahrrad schaffe. Spannend wäre aber, wie lange eine Flaschenpost von dir zu mir die Elbe hinab bräuchte (natürlich nur aus Glas mit Kork-Verschluss und Selbstzerbrechungsmechanismus, sobald sie die Nordsee erreicht. Alles andere wäre ja nicht vertretbar) …
      Ich bin damals von Bremen nach Stuttgart gezogen und weiß seitdem, was ein innerdeutscher Kulturschock ist. Schön, dass es dir andersrum scheinbar nicht genauso ging. Früher dachte ich, es sei egal, wo in Deutschland ich lebe. Inzwischen weiß ich, dass dem nicht so ist.
      Wenn du demnächst ganz bequem den Elberadweg runtergeradeltkommst, sag auf jeden Fall Bescheid und wir gehen einen Kaffee trinken!

      Antworten

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