Wie du dein Fernglas richtig einstellst

Früher erschien mir so ein Fernglas wie ein Buch mit sieben Siegeln: Ich drehte an all den Rädchen, klappte das Ferngals auseinander und wieder zu und statt irgendetwas scharf zu sehen, sah ich eher schwarz. Aber eigentlich ist es gar nicht so schwer, ein Fernglas richtig einzustellen, wenn man nur weiß, wie es geht. Und das verrate ich dir natürlich jetzt.

Eins noch vorweg: Nicht alle Ferngläser sind gleich aufgebaut oder bieten alle Funktionen. Ich orientiere mich hier an einem Standardfernglas … was auch immer das sein soll … nehmen wir also mein Lieblingsfernglas.

Augenabstand

Ferngläser kann man quasi zusammenklappen, oder zumindest den Abstand zwischen den beiden Okularen verändern. Das ist auch gut so, denn jeder Mensch hat einen anderen Augenabstand und wenn der nicht richtig eingestellt ist, hat man schwarze Ränder im Bild. Durch Hin- und Herschieben bzw. Auseinanderziehen findest du den Abstand zwischen den beiden Okularen, der perfekt zu deinem Augenabstand passt. Wenn du noch einen schwarzen Rand siehst, stimmt der Abstand nicht.

Brille oder nicht Brille?

An vielen Ferngläsern gibt es die Möglichkeit, mit den Augenmuscheln den Abstand zwischen Auge und Okular einzustellen. Als Brillenträgerin hat man ja bereits einen Abstandshalter vorm Auge, der bei modernen Ferngläsern berücksicht werden kann. Die Augenmuscheln lassen sich daher ein- und ausdrehen oder umklappen. Als Brillenträgerin klappst oder drehst du die Augenmuscheln ein und kannst so das Fernglas einfach direkt vor deine Brille halten. Als Nicht-Brillenträgerin drehst du sie auseinander oder lässt sie ausgeklappt.

Dioptrienausgleich

Bei den meisten Ferngläser gibt es die Möglichkeit, eins der Okulare nachzujustieren, um die unterschiedliche Sehstärke auszugleichen, die man auf beiden Augen haben kann (das ist der sogenannte Dioptrienausgleich). Oft befindet sich diese Einstellungsmöglichkeit am rechten Auge. Bei meinem alten Fernglas ist sie am linken und manchmal findet man das Rädchen dafür ebenfalls in der Mitte. Da solltest du dann ein bisschen aufpassen, wenn du das Fokussierrad bedienst, aber das bekommst du schon hin.

Diese Einstellung ist eine quasi einmalige Grundeinstellung. Also los geht’s:

So stellst du den Dioptrienausgleich richtig ein:

Halte dir das Auge auf der Seite der Dioptrienausgleichsmöglichkeit zu oder schließe es. Mit dem anderen schaue durch das entsprechende Okular deines Fernglases und suche dir einen festen Punkt oder ein Objekt in einiger Entfernung (einen Baumstamm, ein Straßenschild, eine hellere Dachziegel, die Fensterdeko der Nachbarin – egal). Stelle es mit dem normalen Fokussierrad maximal scharf.

Dann schließe dieses Auge und schaue mit dem anderen Auge durch das Okular mit dem Dioptrienausgleichsrädchen. Drehe vorsichtig an dem Dioptrienausgleichsrad (!), ohne das Fokussierrad anzufassen, bis das Objekt auch mit diesem Auge maximal scharf ist.

Kontrolliere noch einmal mit beiden Augen und vergleiche, ob alles stimmt. Falls die Bilder rechts und links noch unterschiedlich scharf sein sollten, justiere noch einmal entsprechend nach, bis beide Bildseiten gleich scharf sind.

Herzlichen Glückwunsch! Der wichtigste Schritt zum Scharfsehen ist absolviert. Diese Einstellung musst du vorerst nicht wieder ändern – es sein denn, du verleihst dein Fernglas oder drehst aus Versehen am Dipotrienausgleichsrädchen rum.

Fokussieren

Was es an jedem Fernglas gibt, das aus mehr als Plastik besteht, ist ein Rädchen in der Mitte, mit dem du das Bild in unterschiedlichen Entfernungen scharf stellen kannst: das Fokussierrad. Es ist immer im Einsatz, um einen Vogel oder auch nur einen leeren Ast, auf dem der Vogel eben noch saß, in den Fokus zu nehmen. Bist du fertig mit schauen, kannst du das Rad einfach lassen, wo es ist. Es gibt keine Grundeinstellung, auf die du es zurückdrehen müsstest, sondern du passt es jedes Mal wieder neu an die aktuelle Sehsituation an.

Eines Tages wirst auch du lernen, in welche Richtung du tatsächlich zuerst drehen musst, um den Fokus auf Anhieb in die gewünscht Richtung zu verschieben 😉 Und bis dahin: Sei nett zu dir, wenn du mal wieder zuerst falschrum gedreht hast.

Wie du siehst, ist es gar nicht schwer, ein Fernglas richtig einzustellen, wenn du nur weißt, welches Rädchen für was verantwortlich ist. Wie ist es dir ergangen, als du dich zum ersten Mal an ein Fernglas herangewagt hast? Erzähl mir gerne davon!

Jetzt, da du die perfekte Einstellung an deinem Fernglas gefunden hast: Viel Spaß beim Vogelgucken. Und deshalb: Ab nach draußen!


Falls du gerade nach einem Fernglas suchst und keinen Porsche willst, sondern eher ein Alltagmodel suchst, das robust, handlich, leicht und relativ lichtstark ist und dennoch eine gute Bildqualität hat, kann ich dir meins empfehlen. Es ist grade allerdings nicht lieferbar. Ziemlich nah dran kommt dieses hier*, das ich dir alternativ empfehlen kann. Ein anderes von mir getestetes und für sehr gut befundenes Fernglas ist dieses hier*. Noch mehr Auswahl findest du bald wieder über meine Empfehlungsseite.

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von | 15. Apr 2022 | Vogelgucken Praxis

aktualisiert:
30. Mrz 2024

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

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2 Kommentare

  1. Hi Silke,
    oh wie freue ich mich, Dich gefunden zu haben! Seit Jahren betreibe ich die Vogelbeobachtung für mich alleine, seit Jahren habe ich eine ganzjährige Wildvogelfutterstation auf meiner Terrasse, seit Jahren studiere ich die Vogelliteratur [u. a. den Svensson] zur Identifizierung der Vögel alleine. Man nennt mich auch die „Vogeltante“…

    Gerade habe ich ein weiteres Fernglas erstanden [10×32 von Zeiss] und bin dabei, es auszuprobieren. Und wollte endlich mal etwas wissen: Es ist wahrscheinlich eine typische Frauenfrage! Als Kontaktlinsenträgerin drehe ich die Augenmuscheln komplett raus. Und jetzt kommts: Wo genau setzt Du die Augenmuscheln des Fernglases auf?? Wenn ich sie mittig direkt aufs Auge setze, beschweren sich meine Kontaktlinsen. Außerdem klebt dann immer Lidschatten an den Augenmuscheln. Mit dem alten Fernglas hatte ich mich irgendwie arrangiert, meist durch Anspannen der Muskulatur rechts und links der Nase, auf die ich die Augenmuscheln aufgesetzt habe. Das ist bei längerem Beobachten aber anstrengend. Und macht krasse Falten… Das neue Zeiss setze ich jetzt an den Knochen oberhalb der Augenhöhle auf. Manchmal schon fast an den unteren Rand der Augenbrauen. Liebe Silke, hast Du einen Tipp?!?

    Ich habe bis jetzt nur Deinen Artikel zum Fernglas-Einstellen gelesen. Aber ich ahne schon, dass ich die nächsten Tage auf Deiner Seite schmökern werde! Ich freue mich total, und es ist bestimmt nicht das letzte Mal, das ich mich bei Dir melde!
    Mit vogelverliebten Grüßen aus Köln!

    Antworten
    • Liebe Vogeltante Micky,
      wie wunderbar, dass du hierher gefunden hast! Herzlich willkommen. Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen.
      Zuallererst einmal: Frauenfragen sind mir die allerliebsten. Dafür bin ich nämlich Expertin 😉 Leider gibt es keine ultimative Position zum Ansetzen des Ferglases, weil jede Person verschieden ist. Wenn ich ohne Brille gucke, stütze ich das Glas auch von unten an diesem Knochenvorsprung oberhalb der Augenhöhle ab (bei den Nanderthalern nennt man das Überaugenwulst, aber dieses Wort würde ich dann für mich doch zurückweisen) und das wäre auch mein Tipp für faltenfreies Vogelgucken. Neulich hat mir jemand von einem selbstgebastelten Schnurstativ erzählt, das auch prima funktionieren soll. Das ist einfach ein Seil mit einer Schlaufe unten, in die man sich mit einem Fuß reinstellt. Das obere Ende wird auf Augenhöhe am Fernglas befestigt (z.B. mit einer Schraube, wenn du ein Gewinde hast). Damit ist das Fernglas in der Höhe fixiert und stabilisiert. Selbst ausprobiert habe ich das noch nicht, weil ich mit meiner Fernglasposition sehr zufrieden bin, aber vielleicht hilft dir das, dein Fernglas frei schwebend vor deinen Augen zu halten?
      Herzliche Grüße gen Köln (und ich freue mich, wieder von dir zu lesen).

      Antworten

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