10 gute Tipps, um mehr Vögel zu sehen

Du willst Vögel sehen, aber siehst immer nur Amseln und Spatzen? Oder du interessierst dich für Vögel, aber traust dich noch nicht so richtig ran? Oder du hast schon ein paar Arten gesehen, aber willst es einfach mal ein bisschen anders machen als bisher? Oder du glaubst, besser werden kann man immer? Ging mir auch so, alles nacheinander. Deshalb habe ich 10 Tipps für dich zusammengestellt, die dir bestimmt helfen, auf das nächste Birder-Level zu kommen:

1. Schau dir Vogelbücher an

Wir sehen nur das, was wir kennen. Na gut: Als Vogelguckerin sehen wir auch ständig Vögel, die wir nicht kennen. Aber durch Vogelbücher zu blättern, hilft sehr, um Vögel in der Natur wiederzuerkennen. Und wenn wir ihnen sofort einen Namen geben können, fühlen sie sich viel vertrauter an als diese grün-grauen Braunlinge, die schnell wieder unerkannt weghüpfen und von denen es jahrelang viel zu viele gibt.

Vögel aus Büchern zu kennen, hilft dabei, sie auch in Echt zu sehen und zu erkennen.

2. Mach mal Pause

Mach bei deinem nächsten Spaziergang doch einfach mal ein Päuschen und bleibe 5 Minuten still stehen. Die Vögel, die bei deinem Näherkommen verstummt und untergetaucht sind, werden wieder anfangen, sich zu unterhalten und hervorkommen. Ein paar Minuten stillzustehen hilft den Vögeln, dich nicht als Gefahr zu sehen, sich an dich zu gewöhnen oder vielleicht auch dich zu vergessen.

3. Übe Vogelstimmen

Nimm dir vor, jede Woche die Rufe und Gesänge einer Vogelart kennenzulernen und dich nur auf diese eine Art zu konzentrieren. Such dir am Anfang ruhig Allerweltarten wie Blaumeise oder Amsel. Wenn du das Lautreportoire dieser Arten kennst, wirst du sie schnell im Alltagslärm heraushören. Diese schnellen Erfolge helfen über die harten Brocken hinweg, die auch noch kommen werden. Eine Art pro Woche klingt nach nicht viel, aber in einem Jahr erkennst du dann schon 52 Arten an der Stimme – nice!

4. Hab immer ein Fernglas dabei

Okay, das ist der ultimative Nerd-Ratschlag, aber es wird deinen Alltag bereichern, ein Fernglas dabeizuhaben. Wenn du beim Warten an der Bushaltestelle einen Vogel auf dem gegenüberliegenden Dach entdeckst oder wenn dich eine Bewegung im Baum vor deinem Bürofenster ablenkt, kannst du ein Fernglas zücken und den kleinen Wundern für einen kurzen Moment zusehen. Ein kleiner Vogelgucker-Glücksmoment im Alltag.

Außerdem ist eigentlich immer Zugzeit. Und es wäre doch sehr schade, wenn grade Seidenschwänze oder Rosenstare in deiner Stadt zu Besuch sind und du sie nicht ordentlich sehen kannst, weil du dein Fernglas nicht dabei hast.

5. Trainiere deine Hand-Auge-Koordination

Da! Ein Vogel im Baum! Du zückst dein Fernglas – und schwenkst es wild in der Gegend rum. Kein Vogel zu sehen. Also nimmst du es wieder runter, schaust und der Vogel sitzt noch da. Neuer Versuch. Anpeilen, nichts sehen, herumschwenken, kontrollieren … Und bevor du den Vogel richtig anschauen konntest, ist er auch schon weggeturnt. Mpf.

Um solche unerfreulichen Erlebnisse zu vermeiden, übe so oft du kannst die Koordination zwischen Hand und Auge. Schau dorthin, wo es etwas zu sehen gibt, und halte schnell dein Fernglas dazwischen. Ziel ist es, dass du mit und ohne Fernglas auf dieselbe Stelle schaust. Je öfter du das übst, desto besser wirst du. Nur nicht entmutigen lassen und immer mal wieder herzlich über dich selbst lachen.

Für deine Trainingseinheit brauchst du übrigens nicht zwingend einen Vogel. Für den Anfang reicht auch eine Astgabel, eine besonders gefärbte Dachziegel, ein Straßenschild. Aber am lebenden Objekt macht es natürlich noch mehr Spaß. Blaumeisen sind die Masterclass, weil sie so flink sind.

Noch ein Tipp dazu: Bleibe am Ball! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Fähigkeit wieder schlechter wird, wenn ich sie nicht regelmäßig einsetze.

6. Mach Bestimmungsfotos

Wenn du einen Vogel siehst, den du nicht auf Anhieb bestimmen kannst, mach nach Möglichkeit ein Foto von ihm. Es ist völlig in Ordnung, wenn das Foto verwackelt oder unscharf ist, du sollst dich damit ja nicht für den National Geographic Photo-Award bewerben. Es geht nur darum, dass der Vogel halbwegs erkennbar ist, oder zumindest erahnbar. Im schlimmsten Fall ist das Foto echt mies, aber es hilft deinem Gedächtnis auf die Sprünge. In den allerallermeisten Fällen, wird dir die Bestimmung zu Hause mit einem Foto viel leichter fallen und du hast wieder etwas gelernt. Und dafür lohnt sich das mit dem Foto auf jeden Fall.

7. Werde Frühlosgeherin

Für viele ist Frühaufstehen ein unpopulärer Vorschlag. Allerdings sind Vögel Frühaufsteher und morgens ist bei ihnen einfach am meisten Action. Es lohnt sich sehr, morgens auf Vogelpirsch zu gehen. Spätestens nach dem dritten Vogel bereue ich mein frühes Aufstehen nicht mehr.

Aber es muss nicht immer eine besondere Vogelexkursion sein. Vielleicht kannst du ja auch auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Abstecher in einen Park oder zu einem See machen und dir ein paar Minuten Zeit nehmen, um nach Vögeln Ausschau zu halten. Das ist bestimmt der perfekte Start in deinen Arbeitstag.

8. Gestalte deine Umgebung vogelfreundlich

Egal, wie du wohnst, ob in einer Mietwohnung, einem Reihenhaus oder mitten im Grünen: Lade Vögel zu dir ein. Richte eine Futterstelle ein, sei es ein Futterhäuschen mit allem drum und dran oder eine Futterschale, die du mit Saugnäpfen an deiner Fensterscheibe befestigst. Auch über frisches Wasser zum Trinken oder als Badestelle freuen sich Vögel.

Bieten den Vögeln deiner Umgebung Schutz und Landeplätze, indem du in deinem Garten Nistkästen aufhängst oder an deinem Balkongeländer Äste befestigst, auf denen Vögel landen können. Säe Sonnenblumen aus, pflanze Beerenhecken und lass deine Kräuter blühen und aussamen. Du wirst sehen: Bald schon bekommst du in deiner unmittelbaren Umgebung regelmäßig gefiederten Besuch.

9. Führe ein Beobachtungsbuch

Wenn du unterwegs beim Vogelgucken bist, mach dir Notizen und halte fest, was dich interessiert: Welche Vogelarten du siehst, was die Vögel so veranstalten, wo du eine bestimmte Art siehst, wie das Wetter war, wie viele blaue Vögel dir begegnet sind, deinen persönlichen Birding-Glücksfaktor auf der Tour oder mache eine kleine Zeichnung. Wie immer beim Vogelgucken gibt es kein richtig und falsch, sondern du gestaltest dir dein Hobby so, wie es zu dir passt.

Wenn du deine Erlebnisse dokumentierst, kannst du später noch einmal reinschauen, vergleichen, Schlüsse ziehen oder dich einfach noch einmal darüber freuen. Deine Notizen sind natürlich auch eine gute Gedächtnisstütze und du weißt auch in ein paar Jahren noch, was du wann wo gesehen hast. Aber auch deine persönliche Entwicklung als Vogelguckerin kannst du so prima nachvollziehen. Alles sehr spannend!

10. Leg einfach los!

Der wichtigste Tipp zum Schluss: Genug theoretisiert! Bei Vogelgucken geht es nicht um Erfolge, sondern nur um deinen Spaß und einen erholsamen Kurzurlaub. Schnapp dir dein Fernglas – oder auch nicht -, geh einfach raus und halt deine Augen offen. Die kleinen und großen Wunder werden sich dir zeigen.