Blaumeise: clevere Draufgängerin

Eine der häufigsten Vogelarten, die uns im Alltag begleiten, ist die Blaumeise. Du kannst sie am Futterhäuschen, in Straßenbäumen oder in fast jedem Garten beobachten. Sie ist ziemlich selbstbewusst und kümmert sich in der Regel erstmal nicht um Menschen, die sich ihr nähern. Höchste Zeit also für ein bisschen Zusatzwissen zu diesem bunten Vögelchen:

Schlaue Generalisten

Blaumeisen sind Generalisten, das heißt sie können sich besonders gut an Umweltveränderungen anpassen und sie gehen dabei sehr intelligent vor. Deshalb sind sie so erfolgreich und aktuell nicht vom Rückgang bedroht wie andere Vogelarten. Ein Beispiel gefällig? In England stibitzten sie gerne den Rahm von den Milchflaschen, die der Milchmann vor die Türe stellte. Auch das Rotkehlchen lernte es, diese leichte Nahrungsquelle für sich zu nutzen. Als die Flaschen aber aus Hygienegründen mit Aludeckeln ausgeliefert wurden, verzweifelte das Rotkehlchen daran und gab diese Nahrung schließlich auf. Die Blaumeise hingegen hackte mit ihrem Schnabel einfach ein Loch in den Deckel und bediente sich weiterhin.

Ultraviolettmeisen

Eigentlich müssten Blaumeisen Ultraviolettmeisen heißen, denn sie sehen im ultravioletten Bereich. Für sie sind ihre Artgenossen nicht nur einfach blau und gelb, sondern sie leuchten regelrecht. Das hilft den Weibchen, ein besonders schickes, kräftiges Männchen zur Paarung zu finden. Dessen blauer Scheitel leuchtet im ultravioletten Licht besonders schön.

Turnchampions

An dem See in unserer Nähe gibt es einen Parcour, auf dem man sich fit turnen kann. Doch das beste menschliche Akrobatikprogramm ist gar nichts gegen das der Blaumeisen, die in der kleinen Birke daneben rumturnten.

Sie hopsen von Ast zu Ästchen, hängen kopfüber an den Zweigspitzen, dann ziehen sie sich wieder rauf und fliegen zum nächsten Zweig, picken dort kurz rum und fliegen wieder zurück. Abschwung, Aufschwung, Absprung, Flug zum nächsten Baum und wieder zurück. Und das alles in einem Zehntel der Zeit, die du benötigst, um diesen Abschnitt zu lesen. Blaumeisen sind die wahren Turnchampions unter den Vögeln.

Klopfzeichen

Blaumeisen finden und suchen ihre Nahrung, vor allem Insekten, unter anderem auch in Schilfhalmen und Rohrkolben. Um herauszufinden, ob sich in den Hohlräumen etwas Leckeres versteckt, klopfen sie mit ihrem Schnabel dagegen. Klingt es dumpf, hat sich dort wohl ein Insekt eingenistet. Mit wenigen Hieben hämmert die Blaumeise mit ihrem kurzen Schnabel ein Loch in den Halm und erreicht so ihre Mahlzeit.

Hausgäste

In diesem Frühjahr hatte ich immer wieder ein Blaumeisenpaar und anschließend die ganze neue Familie zu Gast. Das Nest war in einer Ritze im Mauerwerk schräg unterhalb des Wohnzimmerfensters. Die Äste auf meinem Balkon dienten den Eltern immer wieder als Zwischenlandeplatz auf dem Weg zu ihrem Nest. Die fetten grünen Maden, die sie als Futter für die Jungen herbeibrachten, konnte ich prima bewundern.

Ein Elternteil konnte ich auch immer gut wiedererkennen, denn es hatte eine schicke kleine Punker-Frisur.

Beobachtungstipp

Blaumeisen sind durch ihre auffälligen Farben sehr gut von anderen Vögeln und auch von anderen Meisenarten zu unterscheiden. Die einzige Verwechslungsgefahr besteht mit Kohlmeisen. Wenn man beide Arten zusammen sieht, ist es leicht: Blaumeisen sind deutlich kleiner und kompakter als Kohlmeisen und auch wesentlich flinker. Außerdem kann man sie gut an dem ultramarin leuchtenden Scheitel erkennen.

Überhaupt sind Blaumeisen sehr wuselig und flink (s.o.). Sie zu beobachten macht Spaß und sie sind gute Objekte, um den Umgang mit dem Fernglas bzw. die Hand-Auge-Koordination zu üben. An ihrer hibbeligen Art kann man sie auch erkennen, selbst wenn man sie nicht gut sehen kann.