Neulich habe ich auf Instagram gefragt, welcher Rabenvogel euer liebster ist. Am häufigsten habt ihr die Dohle genannt und ich gebe zu: Das hat mich ein bisschen überrascht.
Für mich waren Dohlen früher nämlich eher eine Randerscheinung, und zwar ganz wörtlich. Ich habe sie meistens am Stadtrand gesehen, irgendwo kurz hinter den letzten Häusern. Seit meinem Umzug ist das anders: Jetzt leben sie ganz nah um mich, und ich sehe und höre sie jeden Tag.
Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist eure Wahl natürlich kein Zufall. Mir fallen sogar elf gute Gründe ein, warum Dohlen ab sofort auch deine Lieblingsvögel sein sollten:
1. Dohlen sind niedlich
Dohlen sind zwar deutlich mehr als nur ein bisschen niedlich, aber zugegeben: Niedlich sind sie auch. Und das lässt sich sogar wissenschaftlich belegen.
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat 1943 das sogenannte Kindchenschema beschrieben: ein im Verhältnis großer, runder Kopf, eine hohe Stirn, große runde blaue Äuglein, eine kleine Nase und rundliche Wangen.
Sehen wir solche Merkmale, springt in uns ein Fürsorgeprogramm an. Wir finden unser Gegenüber süß und möchten es beschützen. Dieser Instinkt ist natürlich auf menschliche Babys ausgerichtet, springt aber auch bei Tieren oder Plastikspielzeug an.
Und bei Dohlen. Im Vergleich zu Rabenkrähen oder Kolkraben haben sie einen rundlichen Kopf, einen kurzen, kleinen Schnabel und einen kompakten Körper. Dazu kommen die hellen runden Äuglein, die in dem dunklen Gesicht sofort auffallen. Kein Wunder, dass wir das niedlich finden.
FunFact: Konrad Lorenz, der Typ mit dem Kindchenschema (und der fragwürdigen NS-Vergangenheit) hat Dohlen intensiv erforscht und viel über ihr Sozialleben herausgefunden. Das Kindchenschema hat er an ihnen meines Wissens nach nicht dokumentiert, aber dass er sie ebenfalls niedlich fand, stelle ich jetzt mal als gewagte These in den Raum.
2. Sie bleiben ein Leben lang zusammen
Dohlen sind sehr sozial. Sie leben meist in größeren Gruppen. Wenn sie eine Partnerin gefunden haben, bleiben sie in der Regel den Rest ihres Lebens zusammen.
3. Dohlen stehen zueinander
Im Alltag sind Dohlen meistens mit ihrer Partnerin unterwegs. Auch in einer großen Gruppe kannst du gut erkennen, welche beiden Individuen zusammengehören. Sie fliegen dicht nebeneinander, landen zusammen und suchen auch beim Spazieren die Nähe der anderen. Achte mal drauf!
4. Alle packen mit an
In der Dohlenkolonie halten sie zusammen. Sobald die jungen das Nest verlassen haben, kümmern sich neben den Eltern auch andere erwachsene Dohlen um sie. Und auch vor der Brut bekommen manche Paare Unterstützung von einjährigen Helferinnen.
5. Dohlen warnen sich gegenseitig
Dohlen können sich merken, wer für sie gefährlich ist, und sie warnen ihre Artgenossinnen vor.
Die Biologin Victoria Lee hat das mit ihrem Team an der Universität Exeter in Cornwall untersucht. Dort ist eine unbekannte Person an insgesamt 34 Dohlen-Nistkästen vorbeigegangen. Gleichzeitig spielte das Team entweder Warnrufe von Dohlen ab oder ganz normale Kontaktrufe. Als die Dohlen derselben Person später wieder begegneten, kehrten die Vögel, die vorher die Warnrufe gehört hatten, im Schnitt 53 Prozent schneller zu ihrem Nest zurück.
Das zeigt natürlich einerseits, dass sich Dohlen an menschliche Gesichter erinnern können. Andererseits zeigt es aber auch, dass sie lernen können, gefährliche Menschen zu erkennen, ohne selbst eine schlechte Erfahrung gemacht zu haben. Es reicht, wenn sie von anderen gewarnt werden. Sie sind also klug genug, um nicht alle Fehler selbst machen zu müssen (im Gegensatz zu gewissen Zweibeinern).

6. Dohlen sind Flugkünstlerinnen
Dohlen nutzen Aufwinde und Luftwirbel für akrobatische Flugmanöver oder zum kraftsparenden Segeln. Wenn ich ihnen an einem windigen Tag an der Küste zuschaue, habe ich oft das Gefühl, dass es ihnen dabei nicht nur ums Energiesparen oder ums Überleben geht. Man könnte auch behaupten, sie hätten Spaß am Fliegen. Aber das wäre natürlich völlig unwissenschaftlich.
7. Sie sind schneller als Krähen
Diese kleinen Rabenvögel können bis zu 60 km/h schnell werden. Damit sind sie schneller als Rabenkrähen, Nebelkrähen und Saatkrähen, die deutlich größer sind.
8. Dohlen ziehen heimlich
In vielen Regionen ziehen Dohlen im Winter weg. Weil dann aber andere von weiter nördlich und aus Osteuropa ihren Platz einnehmen, fällt ihr Zug meistens gar nicht auf. Die Dohle, die du im Januar siehst, ist also nicht unbedingt dieselbe wie im Juni.
9. Dohlen sind Turmraben
Dohlen brüten gern in Mauernischen an Gebäuden, in alten Schornsteinen und in Kirchtürmen. Wohl deshalb wurden sie früher auch Turmkrähe, Turmrabe oder „des Pastors schwarze Taube“ genannt. Unpraktisch für die Dohle ist natürlich, dass so viele ihrer alten Nistplätze saniert werden und sie so ihren Wohnraum verliert.

10. Sie kleben an Wänden
Praktischerweise können sich Dohlen an senkrechten Wänden festhalten. Dabei nehmen sie ihren Schwanz als Stütze, ähnlich wie ein Specht. Das ist natürlich praktisch, wenn der Brutplatz in einer Mauernische liegt.
11. Dohlen können über 24 Jahre alt werden
Die älteste freilebende Dohle, von der wir wissen, wurde 24 Jahre und drei Monate alt, bevor sie von einer Katze getötet wurde. Buh, Freigängerkatzen.
Und jetzt sag mal du: Bist du auch so ein großer Dohlenfan? Und erzähl mir gern in den Kommentaren, ob bei dir auch Dohlen in der Nähe wohnen und was du schon bei ihnen beobachtet hast.
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