Winter, Schnee und Glitzer: Warum der Eisvogel den falschen Namen hat

Ich habe mich ja schon öfter über unpassende Vogelnamen ausgelassen (hier zum Beispiel). Der Name des Eisvogels gehört jedoch höchstwahrscheinlich mit zu meinen Top-5 der unpassendsten Vogelnamen überhaupt. Denn: Mit Eis kommen Eisvögel ja mal so gar nicht klar. Deshalb werfen wir jetzt mal einen Blick auf ihr Winterverhalten und auf den wahren Ursprung ihres Namens.

Warum der Winter für den Eisvogel ein Problem ist

Eisvögel leben am Wasser. Sie mögen langsam fließende und stehende Gewässer, die einen guten Blick ins Wasser ermöglichen und am Rand Sitzmöglichkeiten haben. Sie besiedeln sowohl Flüsse, Bäche und Seen, als auch menschengemachte Strukturen wie Gräben, Kanäle oder Teichanlagen.

Der Eisvogel ernährt sich von kleinen Tieren, die im Wasser leben, wie Fische, Wasserinsekten, Kleinkrebse und Kaulquappen. Ihnen lauert er von Schilfrohren, übers Wasser ragenden Ästen und anderen Sitzwarten aus auf. Wenn er ein Beutetier entdeckt, dann stürzt er sich kopfüber ins Wasser und taucht nach ihm.

Sobald das Wasser zufriert, kommen Eisvögel nicht mehr an ihre Beute.

Was machen Eisvögel bei Eis und Schnee?

In unseren Breiten kommt der Winter für Eisvögel nicht überraschend und im Gegensatz zu so manchem Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs bereiten sie sich darauf vor: Ab dem Herbst futtern sie sich eine Speckschicht an. Die hilft ihnen über kurze Kältephasen hinweg, aber lange reicht dieser Energievorrat nicht.

In Regionen, in denen es besonders kalt ist, also in Nord- und Osteuropa sowie in Zentralasien, sind viele Eisvögel Zugvögel. Sie verlassen ihre Brutgebiete im Herbst. Wohin sie genau fliegen, ist jedoch noch nicht gut erforscht.

Bei uns in Mitteleuropa sind sie Standvögel. Trotzdem verlassen viele Eisvögel ihre Reviere, wenn es sehr kalt wird. Sie suchen sich dann ein Gewässer, das noch nicht zugefroren ist. Nicht alle sind bei dieser Suche erfolgreich. Andere bleiben auch bei starkem Frost in ihren Revieren und versuchen auszuharren.

Nach strengen Frostperioden kommt es daher bei Eisvögeln immer wieder zu starken Bestandseinbrüchen von bis zu 90 Prozent. Sie haben jedoch auch eine hohe Fortpflanzungsrate und können solche Verluste nach für nach wieder ausgleichen – wenn nicht wieder ein harter Winter dazwischen kommt.

Wenn Eisvögel nicht mit Eis klarkommen, woher kommt dann ihr Name?

Wenn Eisvögel mit Eis so schlecht klarkommen, warum heißen sie dann ausgerechnet so? Dafür gibt es mehrere Erklärungen; gefrorenes Wasser hat nicht zwangsläufig etwas damit zu tun.

Es gibt Menschen, die den Ursprung des Namens tatsächlich auf Eis zurückführen. Angeblich kann man sie bei Schnee besonders gut sehen, weil sie vor einem weißen Hintergrund plötzlich viel sichtbarer werden. (Denn sind wir mal ehrlich: So auffällig und spektakulär Eisvögel auf Fotos aussehen, so unsichtbar können sie sich draußen machen. Es hilft sehr, ihre Stimme zu kennen, wenn man sie entdecken möchte.)

Einige behaupten auch, dass bei Eis besonders viele tote Eisvögel gefunden wurden, und ihnen das ihren Namen einbrachte.

Andere gehen davon aus, dass sich der Name auf das Gefieder des Eisvogels bezieht. Dazu gibt es drei Theorien. Demnach heißt der Eisvogel Eisvogel,

  1. weil sein Gefieder am Rücken eisblau ist.
  2. weil „Eis“ in diesem Fall vom althochdeutschen Wort eisan kommt, was schillern oder glänzen bedeutet.
  3. weil „Eis“ eigentlich für Eisen steht und sich auf seine stahlblaue Oberseite und seine rostrote Unterseite bezieht.

Die dritte Erklärung erschien mir ehrlich gesagt zuerst ein kleines bisschen weit hergeholt. Sie wird jedoch von verschiedenen ornithologischen und etymologischen Verbänden unterstützt. Und die kennen sich damit wohl sehr viel besser aus als ich.

Weitere Namen des Eisvogels

Ich denke, dass der einprägsame Name des Eisvogels mit dazu beiträgt, dass er so beliebt bei uns ist. Auch im Dänischen (isfugl) und Niederländischen (ijsvogel) trägt er diesen Namen.

Er hat aber noch viele weitere deutsche Namen. Einige davon sind Uferspecht, Wasserspecht oder Blauspecht. Der Eisvogel ist allerdings nicht mit den Spechten verwandt. Früher sah man das jedoch nicht so genau, wie wir ja beispielsweise auch beim Kleiber, der Spechtmeise kennen.

Weitere alte deutschen Namen sind Wasserhähnlein, Eisenkeil (da haben wir es wieder!) und Königsfischer. Diesen letzten Namen hat er auch in anderen Sprachen: Auf englisch heißt er kingfisher und im Schwedischen kungsfiskare. Er ist also der König unter allen Fischern, das mag ich.

Sein rumänischer Namen Pescărașul albastru bedeutet „Kleiner blauer Fischer“ oder „Blaues Fischerlein“ – sehr poetisch eigentlich.

Im Portugisischen heißt der Eisvogel Guarda-rios-comum, was sowas wie „gewöhnlicher Flusswächter“ oder etwas freier übersetzt „gewöhnlicher Hüter der Flüsse“ bedeutet. Der Name passt ebenfalls gut, denn er sitzt ja oft reglos an Gewässern, als würde er über „seinen“ Fluss wachen.

In den anderen romanischen Sprachen heißt er (gemeiner) Martinsfischer oder Martinsvogel (französisch: Martin-pêcheur d’Europe, spanisch: martín pescador común, italienisch: martin pescatore comune). Der Überlieferung nach sah der heilige Martin den Eisvogel bei der Jagd und verglich ihn mit einem Dämon, der sich auf eine Seele stürzt. Zum Glück wurde er dann jedoch nicht nach Letzterem, sondern nur nach Martin benannt.

Im Polnischen lässt sich sein Name zimorodek auf den Winter zurückführen. Angeblich wird der Eisvogel im Winter geboren. Diese Vorstellung stammt aus der griechischen Antike. In den sogenannten Halkyonischen Tagen rund um die Wintersonnenwende beruhigten die Eisvögel das Wasser, weil sie dann angeblich brüteten. Aber klar: In Griechenland friert das Wasser im Winter ja auch eher seltener zu.

Fazit

Es gibt genügend andere Namen zur Auswahl, die mindestens genauso passend oder unpassend sind wie unser aktueller Name Eisvogel. Suchen wir uns also einen aus.

Dieser Blogartikel entstand im Rahmen der 65. Blognacht von Anna Koschinski. Ich hatte schon einige Zeit überlegt, ob ich das Winterverhalten und die Namensherkunft des Eisvogels in einem Beitrag zusammenbringen kann. Der heutige Impuls kam mir da gerade recht: Warum eigentlich nicht?

aktualisiert:
7. Feb. 2026

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon als Kind interessierte sich Silke Hartmann für Vögel, aber kannte lange niemanden, der diese Begeisterung teilte. Um Gleichgesinnte zu finden, ging sie ins Internet und merkte schnell, dass es vielen Menschen so geht wie ihr früher. Deshalb gibt sie jetzt ihr Vogelwissen und ihre Begeisterung in Onlinekursen, ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“, ihrem Blog und auf Instagram weiter. Ihr erstes Buch „Die Superkräfte der Vögel“ wurde zum „Wissensbuch des Jahres 2024“ gewählt. Ihr zweites Buch „Birding – Entdecke die Wunderwelt der Vögel“ richtet sich an Kinder ab 7 Jahre.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

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