Die Sache mit den „Wildgänsen“

Was ist das Problem mit „Wildgans“?

Immer wieder lese ich – auch bei renommierten Quellen – die Bezeichnung „Wildgans“ oder „Wildgänse“. Und das finde ich wirklich problematisch: Wildgänse ist ein sehr schwammiger, veralteter Sammelbegriff, der keine konkrete Vogelart und wenn man genauer hinschaut noch nicht mal eine konkrete Gruppe von Vögeln bezeichnet.

Das Wort „Wildgans“ stammt aus einer Zeit, in der wir die gezüchteten Hausgänse – also: das Weihnachtsessen! – auf die Felder geschickt haben, damit sie sich dort satt- und fettfuttern konnten. Damals war wichtig zu wissen, welche Gänse geschossen werden durften, ohne dass es Ärger gab. Die „Wilden“ klar, kein Problem, die durfte man töten; Die Hausgänse des Nachbarn lieber nicht. Um welche Art von „Wildgans“ es sich dabei handelte, war quasi egal. Obwohl es da bestimmt Geschmacksunterschiede gab, war nur die Unterscheidung von schießbar und Tabu wichtig.

Heutzutage laufen in der Regel keine Hausgänse mehr frei auf den Feldern rum (sondern leiden auf das Grausamste in Mastställen). Es gibt also keine Notwendigkeit, Wildgänse extra als wild zu benennen. Wir sagen ja auch nicht Wilddrossel, Wildfalke oder Wildkranich. Aber Umweltverbände (!), die deutsche Übersetzung von Nils Holgersson und die fliegende Amy aus dem Film helfen weiterhin kräfitg mit, dieses antiquierte, unpräzise Wort am Leben zu erhalten.

Bis hierhin könnte ich die Verwendung dieser Bezeichnung allerdings noch wissentlich-lächelnd ignorieren. Aber das Wort ist außerdem beliebt bei denjenigen, die „Wild“gänse weiterhin zum Spaß töten und sich durch die Verwendung diese Wortes emotional von den Tieren distanzieren, um deren Tötung zu rechtfertigen. Für mich gibt es keinen Grund, dieses lebensverachtende Hobby durch die Verwendung des Wortes „Wildgans“ gesellschaftlich zu legitimieren und zu normalisieren.

chillige Graugänse

Wie du Wildgänse stattdessen nennen kannst

Ich weiß: Es ist gar nicht so leicht, sich umzugewöhnen, wenn wir eine Bezeichnung gewohnt sind und viele Jahre verwendet haben. Aber falls du dir diesen Begriff jetzt auch abgewöhnen willst, sag doch einfach „Gänse“, wenn du draußen Gänse siehst, freue dich über ihre Freiheit und sei stolz, dass du sie als Gänse erkennen kannst (und sie nicht mehr für Enten, Reiher oder Kraniche hältst).

Wenn du schon ein bisschen weiter bist bei der Vogel-Erkennung und gute Sicht hast, nenn die Gänse, denen du begegnest, doch einfach bei ihren Artnamen:

  • Kanadagans,
  • Graugans,
  • Kurzschnabelgans,
  • Ringelgans,
  • Saatgans,
  • Blessgans,
  • Nilgans,
  • Weißwangengans

oder sag einfach Dingensgans, wenn du dich nicht festlegen willst oder dir der richtige Name grade nicht einfällt.

Das klingt dann auch gleich schon viel professioneller und präziser und du hilfst mit, dass sich dieses veraltete Wort langsam aus unserem Sprachgebrauch verabschiedet. Das wäre mega!

drei der 87 Weißwangengänse, die freundlicherweise direkt vor dem Mond vorbeigeflogen sind

von | 20. Jan 2023 | Vogelwissen

aktualisiert:
24. Aug 2023

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

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8 Kommentare

  1. Toller Beitrag Silke.
    Ich bin da voll bei euch.
    Die Umgewöhnung fällt auch gar nicht so schwer.

    Antworten
    • Danke, liebe Carmen! Und ja: Die Umgewöhnung ist gar nicht sooooo schwer, wenn man nur will.
      Wie bei fast allem 😉
      Liebe Grüße!

      Antworten
  2. Hey Silke, super Beitrag, danke! Das gleiche gilt ja für „Wildenten“ und für all die Vögel, die ihre Namen aufgrund ihrer „Essbarkeit“ bekommen haben-wie die Tafelente oder vermutlich auch der Ortolan (das sollte wohl auf der Speisekarte schmackhafter klingen als „Gartenammer“).

    Schön nachzulesen im leider etwas altmodisch und hölzern gestalteten Buch „Die Namen der Vögel“ von Viktor Wember.
    Neue Namen müssen her!
    Liebe Grüße,
    Andrea

    Antworten
    • Hey Andrea 🙂
      Mensch, die Wildenten hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, weil ich das offenbar zu selten höre, aber über die Tafelenten wundere ich mich auch jedes Mal, wenn ich sie in mein kleines Notizbuch notiere. Danke für deine Hinweise und natürlich den Buchtipp!
      In anderen Teilen der Welt gibt es ja tatsächlich grade diese Umbenennungen, die ich super finde. Die haben da aber auch sonst viele so sperrige Namen, puh. Ich bin bei den neuen Namen also auf jeden Fall dabei! Graureiher, Stadttaube, Gimpel sind ja schon mal ein Anfang. Hast du einen Vorschlag für die Tafelente? Ich bin da grade ganz uninspiriert …
      Liebe Grüße zurück!
      Silke

      Antworten
  3. Sehr guter Artikel!
    Das was Du da schreibst kann ich nur unterstützen.
    Vielen Dank Silke

    Antworten
    • Das freut mich, Ulrike. Danke für deinen Support.

      Antworten
  4. Wow, danke liebe Silke! Und ich bin voll bei dir!
    Da ist er wieder, der Unterschied zwischen „Wildtier“ & „Nutztier“ oder „Haustier“. Und ganz plötzlich haben Lebewesen bestimmte Funktionen und dürfen getötet werden oder nicht oder wie auch immer.

    Danke für diesen Beitrag!

    Antworten
    • Sehr gerne. Danke für deine Nachricht. Ja, diese Denke von „nützlichem“ Tier ist sowas von letztes Jahrtausend, aber noch so tief in uns. Schön, dass ich beim Kampf dagegen nicht alleine bin.

      Antworten

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