Gute Orte, um Kraniche zu beobachten

Früher dachte ich, Kraniche kann ich nur an Nord- und Ostsee sehen. Und natürlich fern oben am Himmel auf dem Zug. Das führte dazu, dass wir Wochenendtrips geplant haben, bei denen wir quer durch die halbe Republik gefahren wären, nur um Kraniche zu sehen. Zum Glück habe ich vorher rausgefunden, dass das gar nicht nötig ist: Es gibt viel mehr Orte in Deutschland, an denen man Kraniche rasten sehen kann. Deshalb habe ich hier mal bekannte und weniger bekannte Gebiete zusammengefasst, in denen du die Vögel des Glücks sehen kannst.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass es Rastgebiete sind, an denen viele Tiere auf ihrem Frühling- und Herbstzug zusammenkommen. Sie haben oft eine gute Infrastruktur und Beobachtungstürme, von denen man die Kraniche beobachten kann. Dort kann ich euch ruhigen Gewissens hinschicken 😉

Unten ist eine Karte verlinkt, auf der alle Gebiete eingetragen sind!

Kennst du noch einen Ort, den ich hier nicht aufführe? Melde dich gerne und ich trage ihn nach.

Zusätzlich gibt es inzwischen bei uns natürlich auch Gebiete, in denen Kraniche brüten oder sogar überwintern, und so das ganze Jahr über zu sehen sein können. Diese werden hier nicht gesammelt.

Wichtig bei der Kranichbeobachtung

Kraniche sind sehr störungsempfindlich und fliegen auf, wenn sich Menschen nähern. Das ist besonders ärgerlich, weil sie diese Zeit ja grade dafür nutzen, sich Energie für die Weiterreise anzufressen. Jedes Mal, wenn sie auffliegen, weil sie gestört werden, verbrauchen sie unnötig Energie. Und beobachten kannst du sie dann ja auch nicht mehr. Das ist also wichtig zu wissen:

  • Die Fluchtdistanz liegt bei mehr als 300 Metern. In dünner besiedelten Gegenden sogar noch viel höher. Also halte Abstand. Bringe dein Fernglas mit!
  • Wenn Kraniche die Köpfe heben, fühlen sie sich bereits gestört.
  • Leine den Hund an.
  • Verhalte dich ruhig.
  • Bleibe auf den ausgeschilderten Wegen. Betrete niemals Felder und anderen Privatgrund, nur um den Kranichen näher zu kommen.
  • Trage Kleidung in gedeckten Farben.
  • Fotografiere nicht mit Blitzlicht.

Noch ein guter Tipp: Wenn du Kraniche aus dem Auto entdeckst, dann steige nicht aus. Da sie uns Menschen im Auto nicht als Bedrohung wahrnehmen, ist es eine tolle Chance, sie zu beobachten, ohne sie zu stören. Park dafür aber nicht mitten auf der Straße oder sonstwie im Weg. Is klar, ne?

Die beste Zeit, um Kraniche zu beobachten

Der beste Kranich-Ort der Welt nützt dir nichts, wenn du zum falschen Zeitpunkt da bist. In den Rastgebieten sammeln sich die Kraniche besonders auf ihrem Herbstzug. Die genauen Zeiten variieren von Gebiet zu Gebiet – und auch von Jahr zu Jahr. Ca. von Anfang September bis Ende November kannst du sie bewundern, wobei der Oktober meist die beste Zeit ist. Auf dem Herbstzug verbleiben die einzelnen Kraniche ungefähr zwei Wochen im Rastgebiet, bevor sie sich auf ihren Weg Richtung Mittelmeer machen.

Auf ihrem Frühjahrszug sind die Grauen etwas zielstrebiger: Sie pausieren meist nur im März für wenige Tage an den großen Rastplätzen, bevor sie in ihre Brutgebiete zurückkehren.

Wenn sie dann da sind, siehst du sie an den Schlafplätzen am besten zur Abenddämmerung, wenn alle Kraniche zum Schlafen einfliegen. Auch in der Einflugschneise kannst du sie dann gut und zuverlässig beobachten. Ihren morgendlichen Aufbruch kannst du bei Tagesanbruch beobachten. Das ist ein besonderes Schauspiel, denn die Welt gehört oft nur dir, den Kranichen und den ersten Sonnenstrahlen. Tagsüber triffst du die Kraniche bei der Nahrungsaufnahme auf den Feldern rund um die Schlafplätze.

Die TOP5 Regionen zur Kranichbeobachtung in Deutschland

Mecklenburgische Seenplatte & Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)

Wasser, Weite, wenig Siedlung – ein Traum für Kraniche. Da stören auch die vielen Tourist:innen nicht, die dort inzwischen rumlaufen. Der beliebteste Schlafplatz im Nationalpark wird gegen Abend abgesperrt und die Beobachtungshütte ist nur für eine kleine Gruppe von angemeldeten Auserwählten zu nutzen. Aber auch ohne zu diesen Auserwählten zu gehören, wirst du in dieser Region nicht kranich-frei ausgehen. Du triffst sie tagsüber immer wieder auf den Feldern und Wiesen der Region und abends siehst du sie in langen Formationen über den Himmel ziehen. Ein wunderbares Schauspiel in dieser großartigen Landschaft. Besonders toll fand ich es, ihren abendlichen Einflug von einem kleinen Beobachtungsstand in der Nähe von Röbel aus zu beobachten, weil sie dort aus allen Richtungen zu kommen schienen. Die Region ist meine Kranich-Herzensempfehlung!

Rhin-Havelluch (Brandenburg)

Ein offenes Kranich-Geheimnis in der Hauptstadt und umzu spricht sich auch im Rest der Republik immer mehr rum: Das Gebiet um Linum und Nauen in Brandenburg hat sich in den letzten Jahren zu einem der größten Rastplätze in Europa entwickelt. Besonders das Linumer Teichgebiet ist inzwischen einer der europäischen Kranich-Hotspots. Und das ist ziemlich beachtlich, haben die Vögel hier doch gar nicht so viel Platz und stehen beim Übernachten recht eng zusammen. Doch die Schlafflächen werden jede Saison wieder liebevoll von Menschenhand geflutet und präpariert, so dass die Kraniche sich hier sehr wohlfühlen. Auch für Besucher:innen wird rund um den Kranich etwas geboten: Führungen und Ausstellungen, zum Beispiel.

Noch viel mehr Infos zu diesem Gebiet gibt’s unter kraniche-linum.de.

Diepholzer Moorniederung (Niedersachsen)

Kraniche lieben Moore. Da kommen ihnen die wiedervernässten Hochmoore in der Region um Vechta grade recht. Mehr und mehr Kraniche rasten hier jedes Jahr (und fliegen danach nicht mehr bei mir in Göttingen vorbei, aber sei es drum). Und die Region hat sich auf diese und die menschlichen Besucher:innen inzwischen gut eingestellt: Von Aussichtstürmen an den Mooren lässt sich der abendliche Einflug prima beobachten. Aber auch ringsrum gibt es die Chance, die sangesfreudigen Vögel beim Futtern und auf dem Anflug zu sehen. Auch bieten verschiedene Organisationen Exkursionen und Infoveranstaltungen an. Der Ausflug in diesen Zipfel Niedersachsens lohnt sich also, schließlich ist diese Gegend inzwischen das drittgrößte Kranichrastgebiet in Europa.

Hier ← gibt es noch einmal eine detailiertere (und schönere) Karte der Region.

Rügen-Zingst-Region (Mecklenburg-Vorpommern)

Die Gegend um Rügen, die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst (mit dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) und das zugehörige Festland ist DIE deutsche Region, um Kraniche zu sehen. Jedenfalls werden hier die Kraniche am wirkungsvollsten vermarktet (ohne sie jedoch zu stören). Außerdem ist die Region mit dem Kranorama, dem Kranichinformationszentrum in Groß Mohrdorf und mobilen Informationshütten auch touristisch sehr gut aufgestellt.

Und es ist auch wirklich sehenswert! Selbst wenn man abends nicht zum berühmten Pramort an der östlichen Spitze der Halbinsel kommt, zu dem der Besucher:innenstrom streng geregelt ist, kann man den Einflug der Kraniche besonders vom Deichweg in Zingst aus super beobachten. Es gibt auch Touren, auf denen man spannende Informationen erhält und auch mal durch ein Spektiv schauen kann, wenn man selbst keins dabei hat. Ein wunderbares Ziel für eine Herbstreise!

Noch mehr Infos unter kraniche.de.

Kelbra am Südharz (Sachsen-Anhalt/Thüringen)

Das ist eigentlich mein Geheimtipp für dich: Die Talsperre Kelbra am Kyffhäuser am Fuße des Südharz. Im Spätsommer wird das Wasser aus dem Stausee abgelassen und es entsteht eine flache Wasserfläche, die den Kranichen optimale Bedingungen für eine sichere Übernachtung bietet. Hier übernachten einerseits die Durchzügler, die hauptsächlich aus Polen und Tschechien kommen, und andererseits machen auch einige von ihnen ein paar Tage Rast und futtern sich auf den umliegenden Feldern ein bisschen Energie dazu.

Das Tolle an Kelbra: Du bist nah dran, ohne die Vögel zu stören! Wenn du am späten Nachmittag auf dem Damm stehst, fliegen die Kraniche laut trompetend ganz niedrig über dich hinweg und landen vor dir im See. Zu hunderten, zu tausenden. Meine beeindruckendsten Kranicherfahrungen und zum Glück quasi mitten in Deutschland.

Übersichtskarte

Neben diesen Hauptgebieten gibt es noch andere Orte, an denen die Kraniche auf ihrem Zug Rast machen und wo du sie prima beobachten kannst. In einer Karte habe ich daher alle diese mir bekannten Orte zusammengestellt. Wenn du auf das Bild klickst, wirst du zu der externen Google-Map weitergeleitet. Wenn du noch weitere Rastplätze kennst, melde dich gerne!

Beobachtungsorte nach Bundesland sortiert

Brandenburg

  • Biosphärenreservat Spreewald
  • Freesdorf
  • Linumer Fischteichen
  • Nationalpark Unteres Odertal
  • Naturpark Westhavelland
  • Prignitz
  • Rhinluch
  • Utershorst
  • Wanninchen (Sielmanns Naturlandschaft)

Hamburg

  • Duvenstedter Brook

Niedersachsen

  • Diepholz
  • Dümmer
  • Glinstedt Kranichschanze
  • Goldenstedter Moor
  • Großes Moor bei Wistedt
  • Huvenhoopsmoor
  • Ilkerbruch
  • Landkreis Rotenburg
  • Lauenbrück
  • Luneplate
  • Neustädter Moor
  • Oppenweher Moor
  • Polder Bramel
  • Polder Glies
  • Rehdener Geestmoor
  • Tister Bauernmoor
  • Wendland
  • Wieetingsmoor

Mecklenburg-Vorpommern

  • Darß
  • Flemendorf
  • Galenbecker See
  • Günzer See
  • Kranorama
  • Lewitz
  • Mecklenburgische Schweiz
  • NABU-Kranichzentrum Groß Moor
  • Nationalpark Müritz
  • Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
  • Rederangsee
  • Rügen
  • Röbel
  • Schaalsee
  • Usedom
  • Zingst

Sachsen-Anhalt

  • Kelbra

Schleswig-Holstein

  • Hohwachter Bucht