5 Gründe, warum Vogelgucken cool ist

Jetzt wird es aber höchste Zeit, dass ich mich der Frage nach dem Warum stelle: Was soll das hier alles? Warum mache ich das alles überhaupt? Was ist so toll am Vogelgucken?

Kurzer Zwischenruf: Falls du eher die Hörerin als die Leserin bist oder einfach mal meine Stimme hören willst, kannst du dir diesen Beitrag jetzt auch als Podcast anhören:

Der folgende Text ist fast identisch mit der Podcastfolge. So oder so verpasst du nix Inhaltliches. Also weiter im Text 😉

Ornithologie – schon das Wort klingt langweilig und beschwört Bilder herauf von khakifarbenen Herren, die stundenlang bewegungslos am öden Feldrand stehen, in die Luft starren, lateinische Namen vor sich hin murmeln und ab und an gedankenverloren zweibuchstabige Abkürzungen in ihr abgewetztes Notizbuch kritzeln.

Ähm, ja, das klingt nicht sehr sexy. Aber so ist Vogelgucken nicht! Vogelgucken ist bunt und cool und aufregend. Und hier sind 5 gute Gründe fürs Vogelgucken!

1. Vogelgucken ist niemals langweilig

Schon allein die Vorstellung, dass Vogelgucken langweilig sein könnte, ist totaler Quatsch! Erstens sind natürlich Vögel niemals langweilig, denn mit ihnen gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

Es gibt über 10.000 Vogelarten weltweit und jede sieht anders aus, lebt anders, klingt anders. Vögel haben so viele verschiedene Farben, Formen, Größen, Laute, dass es interessant und anders bleibt. Selbst wenn du glaubst, du kennst schon alle Vögel in deinem Garten oder hast schon alle Vögel Europas gesehen, gibt es immer noch etwas Neues zu beobachten und zu lernen: merkwürdiges Verhalten deiner Gartenrotkehlchen, eine interessant gefärbte Ente am Parkteich. Auch bei der Forschung stehen wir gefühlt noch ganz am Anfang. Es kommen ständig neue tolle Erkenntnisse dazu. Lebenslanges Lernen und persönliche Weiterentwicklung sind beim Vogelgucken also garantiert.

Und dann: der Vogelzug. Zugzeit ist ja quasi immer. Jeden Tag ist die Zusammensetzung der Vogelwelt um dich herum anders. Vögel kommen und gehen und sind immer in Bewegung. Das heißt auch, dass du jeden Tag Überraschungsgästen begegnen kannst. Es bleibt also immer spannend und ein Nervenkitzel, weil du es nicht vorher bestimmen oder steuern kannst. Bei vielen Vogelbegeisterten wird auch der Jagdinstinkt geweckt. Wenn du diesen Podcast hörst, gehörst du hoffentlich zu denen, bei denen dann niemand Federn lassen muss. Wenn du deine Sichtungen notierst, kann auch die Sammelwut geweckt werden.

Und das Hochgefühl, eine Vogelart zum ersten Mal gesehen zu haben … Im Englischen gibt es dafür den Begriff Birdgasm, also Vogasmus oder so. Wie sagte Véro Mischitz in »Birding für Ahnungslose« so schön: »Stell dir Vogelbeobachtung einfach mal als Mischung aus Geocaching und Pokémon Go vor« und ich finde, das beschreibt dieses Fieber, das unter Birdern oft um sich greift, ziemlich gut. Es besteht also echte Suchtgefahr – meist jedoch ohne fiese Nebenwirkungen.

2. Vogelgucken ist unkompliziert

Du brauchst keine Ausbildung, keine teure Ausrüstung um zu starten. Jede_r kann sofort mitmachen, einsteigen, loslegen. Es gibt keine Altersbeschränkung, es sind kein besonderes Level oder besondere Fähigkeiten erforderlich, bevor es gut wird. Ab Minute eins ist es wunderbar. Du brauchst nur Ohren und/oder Augen und los geht’s. Vögel sind überall. Das heißt, es ist keine lange Anreise, keine Planung notwendig. Dadurch gehört es mit zu den günstigsten Hobbys überhaupt.

Du kannst direkt bei dir vor dem Fenster starten und zwar immer, wenn du Zeit hast: morgens, mittags, abends, nachts – egal. Frühling, Sommer, Herbst, Winter – Vogelgucken hat immer Saison. Du kannst es auch ganz bequem in deinen Alltag einbauen: beim Kaffetrinken mit Oma, auf dem Weg zum Supermarkt, beim Warten am Bahnhof oder bei der Ärztin, sogar vor dem Restaurant oder Kino, wenn dein Date sich verspätet.

Den Anfang machen dir auch die Vögel ganz leicht: sie sind größtenteils tagaktiv und überall um uns herum zu entdecken. Schnelle Erfolge sind also garantiert. Es gibt außerdem eine überschaubare Anzahl von Arten – insgesamt und bei dir in der Umgebung, so dass du schnell einen Überblick bekommst. Also: hinsehen, Vogel entdecken, freuen, fertig. Du kannst es nicht falsch machen. Es gibt nämlich gar kein Falsch oder einen wahren, einzigen, richtigen Weg. So, wie du es machst, ist es richtig. Finde deinen eigenen Weg, der dich glücklich macht.

3. Vögel sind gut für unsere Gesundheit

Vögel entspannen uns. Nachweislich und wissenschaftlich erwiesen. Vogelgesang beruhigt unseren Herzschlag und Vögel zu beobachten, hilft uns, ganz im Augenblick zu sein, alles Alltägliche, alle Sorgen zu vergessen und uns im Moment zu erden. So verbinden wir uns auch wieder mit uns selbst. Und fühlen uns mit der Natur um uns herum verbunden.

Beim Vogelgucken ist das Ergebnis, sind die Begegnungen mit den Vögeln nicht planbar. Wir geben die Kontrolle ab, überlassen es dem Zufall, dem Schicksal, den Vögeln, welche Begegnungen wir machen. Auch das hilft uns, zu entspannen, loszulassen.

Es ist außerdem eine Motivation für uns rauszugehen in die Natur, an die frische Luft, uns zu bewegen – was sich ebenfalls positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. Auch das vertraute Gefühl eine bekannte Vogelart oder gar ein uns bekanntes Vogelindividuum zu treffen, macht uns froh. Ich habe z.B. eine ganz besondere Ente, über die ich mich immer extra doll freue, wenn ich zum Stadtsee komme. Und auch dieser Wiedererkennungseffekt ist bestätigt: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir uns noch mehr mit der Natur verbunden fühlen, wenn wir die Namen der Vögel kennen, denen wir begegnen.

4. Du bist Teil von etwas Großem

Damit meine ich nicht nur, dass Vogelgucken sehr sozial sein kann. Das stimmt natürlich auch: Wir treffen andere Birder, tauschen uns aus, erleben Gemeinschaft, oft auch mit Menschen, mit denen wir sonst im Alltag keine Berührungspunkte hätten oder mit denen wir sonst nicht viel gemeinsam haben. Vogelgucken verbindet, auch über soziale und kulturelle Grenzen hinweg. Aber das meine ich nicht nur.

Auch wenn du ganz alleine unterwegs bist, kannst du fühlen, dass du Teil von etwas Großem bist. Wenn ich Vögel beobachte und mich ganz auf sie einlasse, beginne ich zu erahnen, dass sie eingewoben sind, in eine alte, geheimnisvolle Struktur. Sie sind Teil eines jahrtausende-alten Überlebenssystems. Und für kurze Augenblicke fühle ich mich auch eingebettet in dieses riesige System der Natur und fühle mich gleichzeitig ganz klein und ganz groß. Ich merke, dass jede_r Einzelne unwichtig ist im großen Rad der Zeit und dass gleichzeitig doch auch jede_r Einzelne zählt. Weil wir alle eine Veränderung anstoßen können. Wenn wir alle, die wir uns für Vögel begeistern, nur drei Stücke Müll aus der Natur mit nach Hause nehmen, wäre das ein Unterschied. Oder wenn wir uns für Vögel und ihre Lebensräume einsetzen im Großen und im Kleinen. Oder wenn wir uns einfach nur über die Vögel freuen, ist ein bisschen mehr Glück in der Welt, weil Vogelgucken uns glücklich macht. Unsere Begeisterung ist ansteckend.

Du kannst dich aber auch ganz bodenständig an Mitmach-Wissenschaftsprojekten beteiligen, an sogenannten Citizen Science Projekten. Die gibt es jedes Jahr, deutschlandweit, weltweit, aber auch ganz lokal. Da kannst du mit ganz wenig Zeit und viel Spaß einen kleinen, superwichtigen Beitrag zu einem großen Forschungsprojekt leisten und so Teil eines großen Ganzen sein.

5. Vögel sind einfach cool

Was soll ich noch mehr sagen? Eigentlich ist das der wichtigste, der einzig wahre Grund. Verblüffender Weise haben sie zwar viele Gemeinsamkeiten mit uns, denn sie nehmen die Welt wahr wie wir: durch optische und akustische Reize. Dadurch sind sie uns ganz ähnlich. Und dann doch auch wieder so gar nicht. Denn sie können fliegen. Hallo?? Wenn das mal nicht das Allercoolste überhaupt ist.

Außerdem sehen sie ja auch ganz anders aus als wir mit ihren Federn, Krallen, Flügeln. So richtig Superwesenmäßig und genau das haben sie: Superkräfte. Sie sind superklug, nehmen das Magnetfeld der Erde wahr, sehen im ultravioletten Bereich, können mehrere Töne gleichzeitig singen, überhaupt: Ihr Gesang! – ach, ich komme ins Schwärmen. Und das waren nur ein paar ihrer coolen Superkräfte.

Und falls dich all das noch immer nicht überzeugt hat: Vögel sind die letzten lebenden Nachfahren der Dinosaurier. Mega cool, ne? Und mit all dem wirken sie lebenslang ihre Zauberkraft auf uns aus.

Deshalb hier zum Abschluss sicherheitshalber eine kleine Warnung: Wenn du einmal anfängst, Vögel zu sehen, kommst du nie wieder von ihnen los. Aber das ist eigentlich ein Versprechen. Damit du garantiert nie wieder von ihnen loskommst, empfehle ich dir noch, meinen brandneuen Podcast zu abonnieren, dich auf Instagram mit mir zu vernetzen und dir meinen Newsletter zu sichern. Da erfährst du nämlich alle Neuigkeiten zuverlässig und als allererstes.

Und dann – worauf wartest du? Eine ganze Wunderwelt erwartet dich! Ab nach draußen mit dir! Fernglas nicht vergessen 😉