Vogelgucken im Mai

Schön dieses Grün, aber auch ein bisschen unpraktisch: Die zunehmende Belaubung erschwert die Beobachtungen von Vögeln. Für die Vögel ist das natürlich toll, denn sie bietet ihnen Deckung und die ist in den kommenden Wochen besonders wichtig. Die Balz hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht und die Vögel sind wenn schon nicht zu sehen, dann doch gut zu hören. Gerade jetzt ist es wichtig, auf den Wegen zu bleiben, Hunde anzuleinen und sich den Vögeln nicht zu nähern. Sie könnten sonst ihre Brut aufgeben.

Diese Vögel kannst du im Mai sehen

  • In den nächsten Tagen solltest Du den ersten Kuckuck rufen hören, denn sie kommen jetzt aus ihren Winterquartieren zurück. Zu sehen bekommt man diese Vögel leider nur selten. Kuckuckseier zu legen ist übrigens oft Teamarbeit: Das Männchen zieht den Hass der Kleinvögel wie Teichrohrsänger, Bachstelze oder Wiesenpieper auf sich. So abgelenkt bekommen sie nicht mit, wie das Weibchen ihr Kuckucksei in die fremden Nester legt.
  • Grasmücken, Schwirle und Rohrsänger sind zwar aufgrund der Belaubung nur schwer zu sehen, aber umso auffälliger ist nun ihr Gesang zu hören. Apropos Gesang: Auch die Nachtigallen schmettern wieder ihren Gesang laut heraus. Gerne auch mal direkt neben einer vielbefahrenen Kreuzung. Ihren Gesang hört man trotzdem.
  • Langstreckenzieher wie Gelbspötter, Sumpfrohrsänger, Neuntöter und Pirole sind die letzten Vögel, die jetzt in ihren Brutgebieten ankommen.
  • An einigen Binnengewässern kann man durchziehende Brachvögel wie Kampfläufer, Rotschenkel, Bruch- und Waldwasserläufer sowie Grünschenkel beobachten. Sie ziehen aber bald weiter in Ihre Brutgebiete im hohen Norden.
  • Rebhühner brüten in geschützten Hecken an den Feldrändern. Sie haben übrigens das größte Gelege aller Vogelarten weltweit: 15 bis 20 Eier! Nur leider nützt ihnen das gar nichts, weil immer weniger ihrer Jungen flügge das erste Jahr überleben. Rebhühner sind Nestflüchter und bei uns besonders durch die intensive Landwirtschaft stark gefährdet.
  • Meisen, Amseln, Zaunkönige sowie Sing- und Wacholderdrosseln haben bereits flügge Jungen und brüten vielleicht sogar schon zum zweiten Mal. Bei Schwirlen, Rohrsängern, Grasmücken, Grau- und Trauerschnäppern kommt es jetzt erst zur Eiablage.
  • Im Wattenmeer sind jetzt besonders gut Watvögel wie Sanderling, Knutt und Kiebitzregenpfeifer zu beobachten, die sich dort für ihren Weiterzug nach Norden stärken.

Und sonst so

Am ersten Samstag im Mai (der nicht der 1. ist) findet das Birdrace statt. Das ist quasi der inoffizielle Tag der Vogelartenvielfalt, denn an diesem Tag geht es darum, möglichst alle Vogelarten in Deutschland zu erfassen. Und dafür flitzen Teilnehmer:innen jeder Generation in Teams durch die Gegend, um innerhalb eines Tages so viele Vogelarten wie möglich zu sehen oder zu hören. Ein großer Spaß!

Am zweiten Maiwochenende findet traditionell auch die Stunde der Gartenvögel statt. Bürger:innen sind dazu aufgerufen, eine Stunde lang alle Vögel zu zählen, die sie von einem Platz aus in einem Garten oder Park sehen oder hören und diese dann anschließend zu melden. Fast so lustig wie das Birdrace, aber viel weniger anstrengend.

Jetzt ist auch die Zeit, in der sich die Anzahl von Brutpaaren am besten wissenschaftlich erfassen lassen. Wissenschaftler:innen zählen dabei einfach nur die singenden Männchen. Wo ein Männchen singt, ist sein Brutrevier und damit ein Brutpaar. Ein zweites Brutpaar wird in der Regel dort nicht geduldet. Diese Methode wird auch „Kartierung“ genannt.

Du siehst: Es gibt viel zu tun und zu sehen im Mai. Also ab nach draußen mit dir! Fernglas nicht vergessen.


PS: Das Titelbild zeigt übrigens einen Teichrohrsänger im Schilf.