Wie funktionieren Vogelschwärme?

Bestimmt hast du sie auch schon mal gesehen: wabernde Wogen aus Vögeln, die immer neue Gebilde an den Himmel zaubern. Starenschwärme. Aber auch andere Vogelarten wie Kiebitze, Lachmöwen, Weißwangengänse oder Stieglitze bilden riesige Gruppen, die besonders außerhalb der Brutzeit gemeinsam unterwegs sind. Stadttauben kannst du sogar das ganze Jahr über bei ihren Formationsflügen im Vogelschwarm bewundern.

Im Winter finden sich auf den Feldern auch gemischte Schwärme aus Singvögel zusammen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Sie werden Finkenschwärme genannt, denn sie bestehen hauptsächlich aus Finkenvögeln wie Buchfinken, Stieglitze und Bergfinken, aber wenn du genau hinschaust, sind meist auch andere Singvögel wie zum Beispiel Feldsperlinge oder Goldammern darunter.

Aber warum tun Vögel das? Was ist ihr Nutzend daraus? Und warum stoßen sie im Flug nicht zusammen?

Was sind die Vorteile eines Schwarms?

Sich in Schwärmen zusammenzuschließen hat für ein einzelnes Individuum viele Vorteile: Zwar ist so ein großer, lauter Schwarm für potenzielle Feinde sehr auffällig und attraktiv, aber die pure Masse des Schwarms gibt den einzelnen Vögeln Sicherheit.

Zum Abend sammeln sich Vögel wie Stare oder Bergfinken im Winter an einem Ort, um gemeinsam die Nacht zu verbringen. Diese Schlafplätze sind aber sehr auffällig und sprechen sich schnell rum. Würden die Vögel abends einzeln zu ihren Gemeinschaftsschlafplätzen einfliegen, wären sie leichte Beute. Daher sammeln sie sich erst in der Nähe und nähern sich dann dem Platz in Gruppen. Für die wartenden Greifvögel ist es schwierig, ein einzelnes Individuum zu verfolgen.

Meine Erlebnisse mit einem Bergfinkenschwarm aus ca. 10 Millionen Vögeln kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

Weitere Vorteile des Schwarms:

  • Nachts geben sich die Vögel gegenseitig Wärme. Sie sparen dadurch Energie und erhöhen so ihre Überlebenschancen besonders in und nach kalten Winternächten.
  • Sie tauschen Informationen aus und profitieren von den Erfahrungen der anderen.
  • Auch wenn das Futter geteilt werden muss, profitieren Schwarmvögel bei der Nahrungssuche davon, dass mehr Augenpaaren suchen. Der Ertrag für den Einzelnen steigt bis zu einem gewissen Punkt.
  • Auch bei der Feindabwehr ist ein Schwarm super (siehe unten).

Wie entstehen Bewegungen im Schwarm?

Besonders bevor sie sich abends an ihren Schlafplätzen niederlassen, vollführen Stare ihre faszinierenden Tänze am Himmel. Diese wirken wie einstudierte Choreographien. Die Stare wabern auf und ab, stieben auseinander, ziehen sich zusammen, als bewegten sie sich zu unhörbarer Musik. Aber ein Schwarm wird weder von einem Vogel angeführt, noch folgt der Formationsflug einem bestimmten Muster. Der Vogelschwarm organisiert sich selbst.

Jeder Vogel trifft eigene Entscheidungen. Er scheint dabei drei Regeln zu folgen:

  1. Achte auf die sieben Vögel direkt um dich herum und mach das, was sie machen, und zwar blitzschnell.
  2. Halte eine Flügellänge Abstand, um Zusammenstöße zu vermeiden.
  3. Lass den Abstand nicht zu groß werden, sonst geht der Schutz des Schwarms verloren.

So verbreiten sich Bewegungen in rasender Geschwindigkeit als Wellen in der Gruppe. Jedes Individuum kann eine Richtungsänderung vorgeben, und der ganze Schwarm organisiert sich dadurch neu. Da oft mehrere Vögel gleichzeitig die Richtung ändern, entsteht das typische Wabern.

Der sicherste Ort in einem Schwarm ist im Zentrum. Dort sind die dominanten und stärksten Vögel. Die Bewegungen eines Schwarms entstehen auch dadurch, dass die Vögel am Rand zum sicheren Kern streben.

Aber die Bewegungen werden auch häufig durch Greifvögel ausgelöst, die den Schwarm angreifen. Dann verdichtet sich der Schwarm, um das Anvisieren eines Individuums und die gezielte Attacke zu erschweren. Der Star, der dem Angreifer am nächsten ist, weicht ihm aus, die anderen folgen.

Statt auszuweichen, nehmen sie den Angreifer auch manchmal in die Mangel, indem sie sich ihm so sehr nähern, dass er flugunfähig wird und nach unten aus dem Schwarm fällt. Ziemlich cool, wa?

Noch mehr Cooles über Vögel erfährst du in meinem Buch: Die Superkräfte der Vögel.

➡️ Hast du schon mal einen Starenschwarm beobachtet?

von | 26. Feb 2024 | Vogelwissen

aktualisiert:
1. Mrz 2024

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

MDR-Doku: „Das Geheimnis der Vögel“

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