5 Mythen über Eulen im Faktencheck

Als ich einmal anfing, mich näher mit Eulen zu beschäftigen, war ich ganz verblüfft, wie viel ich über Eulen zu wissen glaubte – und wie wenig davon stimmte!

Eulen an sich sind ja schon mystische Tier. Sie sind uns Menschen fremd und faszinieren uns dennoch oder grade deswegen. In der Mythologie rund um den Globus spielen sie eine wichtige Rolle. Eulen sind Symbol der Weisheit, des Wissens und der Wissenschaft, Botinnen des Todes, wahlweise Glücks- oder Unglücksvogel, Beschützerin der Heere und die Verbindung zu unserem Unterbewusstsein. Heutzutage sind sie für viele auch magische Postbotinnen.

Bei dieser Präsenz in unserer Kultur ist es kein Wunder, dass wir von Eulen eine ziemlich genaue Vorstellung zu haben glauben. Aber was steckt hinter all dem Halbwissen, das so über Eulen kursiert? Ist es gesund oder fehlt ihm ein Schuss Realität? Hier ein kleiner Faktencheck:

Mythos 1: »Eulen sehen bei Dunkelheit.«

Die Augen von Eulen sind ziemliche Wunderorgane und sehr lichtempfindlich. Sie funktionieren ähnlich wie das Teleobjektiv einer Kamera. Vorne über die weit geöffneten Pupillen kommt viel Licht durch, das in einem langen Kanal gebündelt wird und erst sehr weit hinten auf die Netzhaut fällt.

Mit diesen supercoolen Augen können ­Eulen auch bei Dämmerung gut sehen, selbst wenn es für uns schon finsterste Nacht ist. Aber auch Eulen brauchen Restlicht! Meist kommt dieses Restlicht vom Mond oder den Sternen. Bei absoluter Dunkelheit ist es auch bei Eulen zappenduster.

Mythos 2: »Eulen sind tagsüber blind.«

Wie grad schon beschrieben sind die Augen von Eulen supergut. Und natürlich können Eulen mit diesen Superaugen sowohl in der Dämmerung als auch bei Helligkeit sehr gut sehen. Dass sie tagsüber blind sind, ist also ein Mythos und schlicht falsch. Sie sehen auch bei Licht scharf, haben aber vielleicht einfach keinen Bock auf das, was sie sehen, zu reagieren, weil sie müde sind.

Mythos 3: »Eulen können ihren Kopf um 360° drehen.«

360°? Einmal im Kreis und dann am besten noch ne Runde? Dabei dreht sich der Kopf wie auf einem Gelenk oder schraubt sich hoch oder runter … Ja, nee, natürlich nicht!

Die Augen von Eulen sind – im Gegensatz zu denen vieler anderer Vögel – vorn. Die Augen sind außerdem starr, dass heißt: Eulen gucken immer gradeaus und können nicht so schön mit den Augen rollen oder jemanden aus den Augenwinkeln beobachten wie wir. Sie haben ein sehr eingeschränktes Sehfeld. Da das ein bisschen unpraktisch für sie ist, haben Eulen eine Möglichkeit das zu kompensieren: Sie können ihren Kopf tatsächlich sehr weit drehen. Es handelt sich dabei aber nur um 270°. Immerhin, aber ganz rum kommen auch Eulen nicht.

Mythos 4: »Eulen sind nur nachts aktiv.«

Das ist unsere Vorstellung von Eulen: leise gleiten sie durch die stockfinstere Nacht, huhuhuuuu. Und es gibt auch jede Menge Eulenarten, die das machen und hauptsächlich nachts jagen. Es gibt aber auch Eulenarten, die jagen nur am Tag. Bei uns sind das der Sperlingskauz und die Sumpfohreule. Und andere jagen, wie es ihnen gefällt: Nachtaktive Eulen können auch tagsüber unterwegs sein, um zu jagen, besonders wenn sie füttern und das Nahrungsangebot knapp ist.

Für die Schneeeule wäre es tatsächlich auch ein echtes Problem, wenn sie auf Licht oder Dunkelheit festgelegt wäre: Sie lebt im Norden Skandinaviens. Dort ist es im Winter immer dunkel und im Sommer immer hell. Wie praktisch, dass ihr das ganz egal sein kann.

Mythos 5: »Ein Kauz ist keine Eule.«

Dass Käuze keine Eulen sind oder zumindest irgendwie irgendwas anderes als Eulen, habe ich schon öfter gehört. Klingt ja auch so. Warum sonst sollte der Waldkauz Waldkauz und nicht Waldeule heißen? Klingt plausibel, stimmt aber nicht. Die allermeisten ­Eulen, die bei uns leben, gehören zur selben Vogelfamilie: Sie gehören zur Familie der Eigentlichen Eulen. Dazu gehört übrigens bei uns nur die Schleiereule nicht.

Kauz oder Eule ist quasi nur ein Name, der Orientierung bietet. Wir bezeichnen gedrungenere, kleinere Eulen als Käuze.

von | 29. Jul 2022 | Vogelwissen

aktualisiert:
28. Jun 2024

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

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