Die wahre Größe eines Vogels

Was mich immer wieder überrascht: Wie groß oder klein Vögel wirklich sind. Oft habe ich ein ganz anderes Bild von Vögeln vor Augen als das der Realität entspricht. Ein Klassiker, den ich immer wieder gerne erzähle: Früher dachte ich, dass Buntspecht etwa so groß wie eine Katze seien. Dieses Stadium habe ich zum Glück überwunden.

Rückblickend erscheint mir das jedoch wenig verwunderlich: In Büchern und auf Schautafeln sehen wir Vögel meist isoliert und einzeln. So erscheinen sie alle gleich groß und lassen Raum für Fantasie (besonders, wenn man mit den eventuell vorhandenen Größenangaben nicht viel anfangen kann).

Neulich überraschte mich mal wieder eine Heckenbraunelle, die sich in ein Futterhäuschen setzte. Während sie den ganzen Winter immer nur so durchs Unterholz huschten und mit ihren zarten Stimmchen säuselten, hatte ich vergessen, was für Wuchtbrummen Heckenbraunellen eigentlich sind.

Rate mit: ein Experiment

Lass uns mal ein kleines Experiment starten! Sortiere diese Vögel gedanklich nach Größe:

Die Lösung:

  1. Zaunkönig
  2. Kohlmeise
  3. Dohle
  4. Silbermöwe
  5. Graugans

Und jetzt zeig mal mit den Händen an, wie groß die Vögel deiner Meinung nach wirklich sind.

Das ist schon nicht mehr ganz so leicht, oder?

Nächste Schwierigkeitsstufe:

  • Ringelgans
  • Eisvogel
  • Kohlmeise
  • Silbermöwe.

Die Lösung: Kohlmeisen sind ein bisschen kleiner als Eisvögel, aber nur wenige Zentimeter. Ringelgänse und Silbermöwen sind ungefähr gleich groß.

Wie wir Größe bei Vögeln definieren

Das Ding ist: Wann sitzt schon mal ein Eisvogel neben einer Kohlmeise? Und was heißt eigentlich gleich groß bei Vögeln? Wie wird die Größe gemessen?

Letzteres kann ich beantworten: Die Größe beschreibt beim Vogel nicht seine Höhe, also die Entfernung von Kopf zum Boden, wie bei uns Menschen. Bei der Größe des Vogels beziehen wir uns in der Regel auf seine Länge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende.

Die ein Schwanz und ein Schnabel doch recht unterschiedlich lang sein können, macht das den Vergleich abstrakter als bei Menschen. Die einzelnen Arten sind dadurch schwieriger zu vergleichen. Außerdem halten sich natürlich nicht alle Individuen an ihre Größenvorgabe, ist ja klar.

Viele Nesthocker verlassen körperlich ausgewachsen das Nest und sind dann schon so groß wie ihre Eltern. Hier: Blaumeisen (Foto von Premek Hajek via Pixabay)

Eine Frage der Perspektive

Erschwerend kommt hinzu, dass wir Vögel meistens nicht direkt vor uns sehen oder sie auf dem Sofa neben uns sitzen. Wir sehen sie in der Ferne und durchs Fernglas. Da fehlen uns oft die Bezugspunkte.

Das ist wie beim Mond: Der sieht beim Aufgehen im Vergleich zum Wald am Horizont, über dem er aufgeht, riesig aus. Oben am Himmel wirkt er schon viel kleiner.

Oder nehmen wir mal den Wiedehopf. Hast du da ein Bild vor Augen? Orange-braun, schwarz-weiße Flügel, Federhaube – genau der! Wie groß schätzt du den? Wenn du ihn schon mal in echt gesehen hast, weißt du vielleicht, worauf ich hinauswill, denn: Der Wiedehopf ist viel kleiner als die meisten glauben. Er ist grade mal so groß wie eine Amsel.

Den Wiedehopf lernst du übrigens auch bei „Endlich Vögel sehen!“ näher kennen. Er ist einer der Bonusvögel, mit denen du sofort loslegen kannst, wenn der Kurs wieder öffnet.

Deshalb gibt es bei vielen Vogelarten Bezugsgrößen. Dazu werden bekannte Arten herangezogen, die eher mal aus der Nähe zu sehen sind. Wir sagen deshalb zum Beispiel:

Ein Vogel ist …

  • meisengroß (Blaumeise)
  • spatzengroß (Haussperling)
  • amselgroß
  • taubengroß (Stadttaube)
  • entengroß (Stockente)

Das gibt eine grobe Orientierung, die hoffentlich auch dir hilft, dir die wahre Größe eines Vogels besser vorstellen zu können.

➡️ Wie ist das bei dir? Kannst du mit den Zentimeterangaben in Büchern etwas anfangen? Und welche Vogel hat dich mit seiner Größe zuletzt überrascht? Erzähl doch mal in den Kommentaren ⬇️

von | 27. Mrz 2024 | Vogelwissen

aktualisiert:
25. Mrz 2024

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon in ihrer Kindheit interessierte sich Silke Hartmann für Vögel. Allerdings kannte sie niemanden, die oder der ihr diese Wunderwelt hätte zeigen können. So hat sie sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht, Vögel zu sehen. Je mehr sie beobachtete und aus Büchern lernte, desto mehr begeisterte sie sich für Vögel und ihre Superkräfte. Sie bemerkte aber auch, wie schwer es für viele Vogelarten inzwischen ist, zu überleben. Deshalb gibt sie ihr Wissen jetzt als „die Vogelguckerin“ u.a. in Kursen, Büchern und ihrem Podcast „Vögel, aber cool!“ weiter, weil sie weiß, dass die Welt zu einem besseren Ort wird, wenn sich mehr Menschen für Vögel begeistern.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein neues KOSMOS-Buch: „Die Superkräfte der Vögel“

MDR-Doku: „Das Geheimnis der Vögel“

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