Mauersegler-Fakten, die selbst die abgeklärtesten Vogelprofis staunen lassen

Die scharfen Rufe der Mauersegler gehören mit zum Soundtrack des Sommers. Sie kommen nur zu uns, um hier zu brüten und bleiben auch nur kurz von Anfang Mai bis Juli/August. Nicht nur deshalb sind sie besondere Besucher: Mauersegler verbringen quasi ihr ganzes Leben in der Luft. Und selbst abgeklärte Vogelprofis sind fasziniert von diesen begnadeten Dauerfliegern und ihrem ungebundenen Leben, weit ab von allen irdischen Problemen. Höchste Zeit, sie ein bisschen besser kennenzulernen: mit ein paar Mauersegler-Fakten, die selbst abgeklärte Vogelprofis staunen lassen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Leben fliegend. Sie schlafen, fressen und trinken sogar im Flug.
  • Sie sind nur von Anfang Mai bis Juli/August bei uns, ausschließlich zum Brüten.
  • Ihr lateinischer Name Apus apus bedeutet "fußlos". Sie haben zwar Füße, aber wenn du einen am Boden findest, braucht er deine Hilfe.
  • Bei Schlechtwetter fallen die Jungen in eine Art Kurz-Winterschlaf, bis die Eltern mit Futter zurückkommen.
  • Mauersegler sind keine Schwalben, sondern gehören zur Ordnung der Segler.

Windschnittige Partygänger

Mauersegler sind perfekt an das Leben in der Luft angepasst. Ihre langen, schmalen, sichelförmig gebogenen Flügel verschaffen ihnen viel Auftrieb und haben wenig Luftwiderstand. Das ermöglicht Mauerseglern einen energiesparenden Flug. Zusätzlich minimieren sie die Energiekosten des Fluges durch Segeln und Gleiten – und durch eine verhältnismäßig langsame Geschwindigkeit. Wenn sie so juchzend zwischen unseren Häusern umhersausen und ihre Screaming Parties feiern (ja, so heißt das wirklich und hochoffiziell!), schaffen sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Im Normalfall fliegen Mauersegler aber sehr ökonomisch, fast bedächtig und bleiben weit unter diesen Maximalgeschwindigkeiten.

Ein Leben im Flug

Mauersegler verbringen quasi ihr ganzes Leben fliegend: Sie jagen in der Luft, sie fressen in der Luft, sie trinken fliegend, paaren sich fliegend, ja, sie schlafen sogar im Flug. Für dieses außergewöhnliche Leben fern ab vom festen Boden haben sie spezielle Strategien entwickelt:

Sie jagen sogenanntes Luftplankton: fliegende Insekten, die sie sich aus der Luft schnappen. Um zu trinken, fliegen sie ganz dicht über einer Wasserfläche und schöpfen im Flug mit ihrem Schnabel Wasser. Selbst das Baumaterial für ihr Nest sammeln sie in der Luft ein und verkleben es mit Speichel, damit sie ja keine Umwege am Boden machen müssen.

Wie das mit dem Schlafen funktioniert, war lange ungewiss. Zwar vermuteten Forschende, dass auch Mauersegler schlafen müssen, da bei allen Tieren die kognitiven Fähigkeiten und die Gesundheit ohne Schlaf leiden, aber beweisen konnten sie es lange nicht. Inzwischen ist dieses Phänomen gut an Fregattvögeln erforscht, die auch sehr viel Zeit in der Luft verbringen. Hier hat sich gezeigt, dass im Schlaf jeweils nur eine Hirnhälfte wirklich schläft. Die andere ist aktiv und kontrolliert die Muskelbewegungen des Vogels. Ein ähnliches Phänomen ist von Delphinen bekannt und wahrscheinlich funktioniert das bei Mauerseglern ebenso.

Mauersegler, die am blauen Himmel ihre Kreise ziehen

Ihr Zweitname: Die Fußlosen

Der lateinische Name des Mauerseglers Apus apus bedeutet »fußlos«. Tatsächlich hat er aber Füße, obwohl er sie kaum braucht.

Mauersegler verbringen bis zu zehn Monate im Jahr in der Luft, nonstop. In der restlichen Zeit landen sie nur mal zwischendurch, um zu brüten und um ihre Jungen zu füttern. Und diese Zeit am Boden verbringen sie bei uns in Mitteleuropa (welche Ehre!). Wie sich das wohl anfühlt, wenn die Welt plötzlich stillsteht? Ob der Boden nachwankt, wie bei uns, wenn wir von einer längeren Seereise an Land kommen?

Sein luftverbundenes Leben spiegelt sich auch im lateinischen Namen des Mauerseglers wider: Apus apus bedeutet »fußlos«. Tatsächlich haben Mauersegler aber sehr kleine, fast verkümmerte Beine und Füße. So elegant und erhaben sie in der Luft sind, so unbeholfen wirken sie am Boden. Mit ihren kurzen Beinen und Füßen können sie sich zwar an Mauern festkrallen, aber laufen ist tatsächlich schwierig. Sie kriechen eher, als dass sie laufen.

Winterschlaf im Sommer

Mauersegler könnten überall ihre Jungen großziehen. Dass sie es in Mitteleuropa tun, ist eine Ehre und gleichzeitig auch erstaunlich. Mauersegler und ihre Jungen fressen ausschließlich Insekten und sind somit abhängig von guter Witterung. Klar, denn bei Regen und Wind fliegen die Insekten nicht. Das kann bei deutschen Sommern zum Problem werden! Dann müssen Eltern auf der Suche nach Nahrung für ihren Nachwuchs hunderte von Kilometern ausweichen. Und dann dauert es ein paar Tage, bis sie mit Futter für ihre Jungen zurückkommen.

Die Jungvögel fallen in dieser Zeit in eine Art von kurzen Winterschlaf. Sie bewegen sich nicht viel und senken ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Kommen die Eltern dann mit einem Schnabel voller Insekten zurück, wecken sie die Jungen mit der Nahrung auf. Frühstück ans Bett quasi.

Mauersegler, der aus einem Mauerseglerkasten schaut
Foto von Simon Mannweiler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Lebensnotwendiger Perfektionismus

Anders als andere Vogeljunge haben Mauersegler-Minis nur einen einzigen Versuch, wenn sie zum ersten Mal die Bruthöhle verlassen und losfliegen. Deshalb machen sie vorher eine Art Liegestütze. Damit trainieren sie einerseits die Flugmuskulatur, damit die stark genug ist, sie sofort durch die Luft zu tragen. Und andererseits bringen sie ganz nebenbei ihren Körper auf Idealgewicht. Denn zu schwer sollten sie zum Fliegen auch nicht sein.

Sollte ein Mini-Mauersegler trotz aller Vorbereitung scheitern, sich auf halben Weg aus der Nisthöhle doch noch nicht bereit fürs Fliegen fühlen und abstürzen, kann er sich nicht mehr alleine vom Boden erheben. Er braucht immer Wind, also Auftrieb unter seinen Flügeln.

Ein Mauersegler am Boden: ein Notfall!

Ein am Boden liegender Mauersegler braucht immer (!) deine Hilfe. Zwar können gesunde, erwachsene Mauersegler allen Gerüchten zum Trotz vom Boden aus starten, aber sie tun das dann auch sehr schnell wieder. Solltest du also einen Mauersegler am Boden finden, dem du dich sogar nähern kannst, ohne dass er losfliegt, braucht er deine Hilfe.

Wirkt er unverletzt, heb ihn hoch, setz ihn auf einen Mauersims oder halte (nicht werfe!) ihn auf deiner Hand in die Höhe. Das erleichtert ihm den Start. WICHTIG: Werfe NIEMALS einen Mauersegler in die Luft!!!

Wenn er verletzt oder sehr entkräftet ist und nicht alleine starten kann, nimm unbedingt Kontakt zu Profis auf. Mauersegler sind sehr empfindlich. Wenn du versuchst, sie alleine aufzupäppeln (was übrigens auch verboten ist), schadest du ihnen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und verhinderst ihr weiteres Überleben.

Weitere Informationen, wie du Mauerseglern in einer Notsituation helfen kannst, findest du in Kurzform hier und bei der Wildvogelhilfe.

Verletzter Mauersegler liegt am Boden
Foto von Klaus Roggel, Berlin, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Ziemliche Individualisten

Was genau die Vögel in ihrer Zeit in der Luft treiben und wo sie sich rumtreiben, war lange unbekannt. Aber seit Wissenschaftler*innen Mauerseglern kleine Rucksack-Transponder angeschnallt haben, wissen wir, dass jedes Individuum zu bestimmten Orten zurückkehrt und dass sie gerne in Gesellschaft von anderen Mauerseglern unterwegs sind. Paare und Geschwister bleiben dabei aber nicht zwangsläufig zusammen. Oft trennen sie sich nach der Brutzeit. Jedes Individuum verfolgt seine eigene Überwinterungsstrategie.

Sind Mauersegler Schwalben? Was ist der Unterschied?

Mauersegler und Schwalben sehen sich im Flug zum Verwechseln ähnlich. Allerdings sind sie nicht einmal verwandt. Mauersegler gehören zu den Seglern, Schwalben wie die Mehl- oder Rauchschwalbe zu den Sperlingsvögeln. Diese beiden Vogelgruppen haben sich unabhängig voneinander an ein ähnliches Leben in der Luft angepasst.

Die besten Merkmale, um sie auseinander zu halten:

  • Flügelform: Mauersegler haben sehr lange, schmale, sichelförmig gebogene Flügel. Die Flügel von Schwalben sind breiter, kürzer und wirken kurviger.
  • Farbe: Mauersegler sind fast einheitlich dunkelbraun bis schwarz. Schwalben haben meist einen hellen Bauch oder eine auffällige Kehlfarbe.
  • Flugstil: Mauersegler schlagen schnell und steif mit den Flügeln und gleiten dann lange, oft begleitet von ihren typischen, kreischenden Rufen. Schwalben fliegen weicher und flattern mehr.

Wenn du Schwalben auch untereinander sicher unterscheiden lernen willst, → schau doch mal hier. Da zeige ich dir, wie du unsere häufigsten Schwalbenarten im Flug unterscheidest.

Häufige Fragen zum Mauersegler im Überblick

Wie lange sind Mauersegler in Deutschland?

Von Anfang Mai bis Juli/August, nur zum Brüten. Den Rest des Jahres verbringen sie in der Luft, meist über Afrika.

Können Mauersegler vom Boden aus starten?

Gesunde, erwachsene Tiere theoretisch schon, aber sie tun es kaum freiwillig und fliegen dann sofort weiter. Ein Mauersegler am Boden braucht praktisch immer deine Hilfe.

Was mache ich, wenn ich einen Mauersegler am Boden finde?

Wirkt er unverletzt: hochheben und auf einen Mauersims setzen oder auf der Hand hochhalten – NIEMALS WERFEN!!! Wirkt er verletzt oder entkräftet: Kontakt zu Profis wie der Wildvogelhilfe aufnehmen.

Sind Mauersegler und Schwalben dasselbe?

Nein. Sie sehen sich im Flug ähnlich, gehören aber zu unterschiedlichen Vogelordnungen – Mauersegler zu den Seglern, Schwalben zu den Sperlingsvögeln.

Schlafen Mauersegler wirklich im Flug?

Ja, vermutlich ähnlich wie Fregattvögel: Eine Hirnhälfte schläft, während die andere die Flugmuskulatur steuert.

Buchtipp zum Mauersegler

Und zum Schluss noch eine Buchempfehlung:📕 "Der Zug der Mauersegler. Unterwegs zwischen Kontinenten" von Imke Müller-Hellmann.


Bildnachweis: Das schicke Titelbild ist von XJochemx.nl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

bearbeitet am 26. Juli 2026

Silke Hartmann, die Vogelguckerin

Schon als Kind interessierte sich Silke Hartmann für Vögel, aber kannte lange niemanden, der diese Begeisterung teilte. Um Gleichgesinnte zu finden, ging sie ins Internet und merkte schnell, dass es vielen Menschen so geht wie ihr früher. Deshalb gibt sie jetzt ihr Vogelwissen und ihre Begeisterung in Onlinekursen, ihrem Podcast "Vögel, aber cool!", ihrem Blog und auf Instagram weiter. Ihr erstes Buch "Die Superkräfte der Vögel" wurde zum "Wissensbuch des Jahres 2024" gewählt. Ihr zweites Buch "Birding – Entdecke die Wunderwelt der Vögel" richtet sich an Kinder ab 7 Jahre.

Moin, ich bin Silke,

wie schön, dass du da bist! Hier berichte ich dir Wunderbares und Wundersames über Vögel und ihre Welt. Außerdem erfährst du, wie du anfängst, sie schnell selbst zu sehen und immer besser darin wirst. Komm mit auf die Reise!

Mein 1. Buch: "Die Superkräfte der Vögel"

"Birding – Entdecke die Wunderwelt der Vögel" – Mein Vogelbuch für Kinder ab 7

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1 Kommentar

  1. Sehr cooler Beitrag. Klitzekleine Anmerkung: Unverletzte, gesunde, ausgewachsene Mauersegler können vom Boden starten, wenn genug Platz ist. Allerdings ist ein Mauersegler natürlich nie freiwillig gelandet und wenn man ihn findet hindert ihn auch irgendwas am Start. Daher stimmt natürlich, dass ein Mauersegler am Boden in der Regel Hilfe braucht.

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