Für die Vögel ist der Winter eine ziemlich schwierige Zeit, auch wenn kein Schnee liegt. Die üppigen Vorräte des Herbstes sind größtenteils leergefuttert und in der kalten Zeit brauchen Vögel besonders viel Energie, um sich warmzuhalten. Die Tage sind kurz, die Nächte lang. Deshalb verbringen Vögel einen hohen Anteil der kurzen Tage mit Nahrungssuche. Dabei sind sie gut zu sehen und sie kommen uns Vogelgucker*innen auch oft näher, als wir das sonst gewohnt sind. Zur Beobachtung bietet der Winter uns gute Bedingungen.
Hier kannst du dir eine Podcast-Folge zum Thema anhören:
(meine stimmlichen Gäste in dieser Folge sind Eichelhäher, Elster, Graugänse und Kohlmeise)
Überlebensstrategien für den Winter
Der Winter ist für Vögel eine Zeit, in der Futter und damit Energie knapp ist. Deshalb haben sie erstaunlich viele Strategien entwickelt, um mit der Kälte und dem Mangel klarzukommen. Manche sehen wir sofort, andere laufen im Verborgenen ab. Gemeinsam haben sie alle ein Ziel: mit möglichst wenig Energie durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
Ruhig bleiben, Kräfte sparen
Im Winter wirken viele Vögel insgesamt ruhiger. Sie fliegen weniger umher, sitzen länger an einem Ort und vermeiden unnötige Bewegungen.
Jedes Auffliegen kostet Kraft. Deshalb wägen Vögel sehr genau ab, ob sich eine Bewegung lohnt. Für uns heißt das: Wenn ein Vogel lange sitzen bleibt, ist das kein Zeichen von Zutraulichkeit, sondern oft pure Effizienz.
Viele Arten gehen noch weiter. Sie senken nachts ihren Stoffwechsel und ihre Körpertemperatur leicht ab und fallen in eine Art Kältestarre. So verlieren sie weniger Energie.
Gemeinsam durch kalte Nächte
Vor allem kleine Vögel haben es im Winter schwer. Sie verlieren über Nacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts, allein um warm zu bleiben. Einige Arten wie Zaunkönige, Haussperlinge oder Wintergoldhähnchen schlafen deshalb dicht aneinandergedrängt in Schlafgemeinschaften.
Eng aneinander gekuschelt teilen sie ihre Körperwärme und erhöhen so ihre Überlebenschancen. Auch Nistkästen werden im Winter gern als Schlafplätze genutzt, weil sie Schutz vor Wind bieten und somit ein paar Grad wärmer sind als die offene Umgebung.
Warm eingepackt durch aufplustern
Vielleicht hast du Vögel im Winter schon einmal besonders rund und kugelig gesehen. Fast wie kleine Federbälle oder Fluffkugeln. Das ist kein Zeichen von „gut genährt“ oder gar „zu viel gefressen“, sondern eine wichtige Überlebensstrategie.
Wenn Vögel sich aufplustern, stellen sie ihre Federn auf. Zwischen den einzelnen Federn entstehen viele kleine Luftpolster. Diese Luft wirkt wie eine isolierende Schicht und hält die Körperwärme dort, wo sie gebraucht wird. Je kälter es ist, desto fluffiger wirken die Vögel.
Der Körper bleibt so warm, ohne dass der Vogel mehr Energie verbrauchen muss. Eine einfache, aber sehr effektive Methode, um der Kälte zu trotzen.
Vorratshaltung
Neben dem Energiesparen spielt auch das Vorsorgen eine wichtige Rolle. Einige Vogelarten legen sich im Herbst regelrechte Vorratslager an, von denen sie im Winter zehren.
Eichelhäher und Tannenhäher verstecken Samen im Boden oder in Wurzelballen. Kleiber sowie Sumpf-, Tannen-, Weiden- und Haubenmeisen klemmen Kerne in Rindenspalten oder hinter lose Borke. Diese Vorratsspeicher suchen sie im Winter gezielt auf, um die versteckte Nahrung zu nutzen. Eine ziemlich beeindruckende Gedächtnisleistung!
Besonders bekannt ist der Tannenhäher: Im Herbst versteckt er verschiedene Arten von Samen an mehreren tausend Orten. Im Winter findet er über 80 Prozent davon wieder, selbst wenn sie unter einer meterhohen Schneedecke liegen. Mit diesem Ergebnis schlägt er jedes Eichhörnchen.
Auch Raben- und Nebelkrähen legen im Herbst Vorräte an, etwa mit Walnüssen. Bei Schnee lässt sich gut beobachten, wie präzise sie ihre Verstecke ansteuern: Sie landen höchstens wenige Krähenschritte vom Versteck entfernt und picken einmal gezielt nach ihrem Vorrat.
All diese Vögel müssen also exakte, dreidimensionale Karten im Kopf haben, auf denen sie ihre Verstecke über Monate speichern.
Oft heißt es, Vögel würden einen Teil ihrer Vorräte „vergessen“, die dann keimen. Tatsächlich legen viele Arten aber bewusst mehr Vorräte an, als sie benötigen. Verluste durch Versteckräuber sind einkalkuliert.
Nicht genutzte Winterreserven können auch im Frühjahr bei der Jungenaufzucht noch genutzt werden. Vorratshaltung ist also kein Glücksspiel auf Leben und Tod, sondern sorgfältige Planung.
Immer kalte Füße. Oder: Warum frieren Enten im Winter nicht auf dem Eis fest?
Wenn Vögel sich aufplustern, verschwinden fast alle Körperteile im Federkleid – nur Schnabel, Schwanz und die nackten Beine ragen noch heraus. Das wirkt kalt, ist aber gut gelöst. Enten und viele andere Vögel besitzen in den Beinen einen eingebauten Wärmetauscher: Warmes Blut aus dem Körper gibt seine Wärme an das zurückströmende kalte Blut aus den Füßen ab. So bleibt der Körper warm, während die Füße stark abgekühlt sind.
Im Winter haben Vogel-Füße oft nur etwa 0 °C. Genau das verhindert, dass Eis unter ihnen antaut und sie festfrieren. Eine clevere Lösung: gut isolierter Körper, kalte Füße – und damit sicherer Stand auch bei Frost. Wenn Vögel sich aufplustern, um sich vor der Kälte zu schützen, gucken nur die unbefiederten Füße von noch aus dem Federknäul hervor. Frieren die Vögel da nicht? Und warum frieren Enten nicht fest, obwohl sie den ganzen Tag auf dem Eis rumstehen oder mit nassen Füßen über den gefrorenen Boden watscheln?
Das hat die Natur clever gelöst: Enten und auch viele andere Vögel haben quasi einen eingebauten Wärmetauscher im Bein. Dadurch wird das Blut, das vom Körper kommt, extrem abgekühlt, während das aufsteigende Blut aus den Füßen auf dem Weg nach oben aufgewärmt wird. Dadurch verlieren die Vögel keine Körperwärme über die Füße.
Die Füße von Enten und auch anderer Vögel sind im Winter ca. 0° C kalt. Das verhindert, dass Eis oder ein gefrorener Ast, auf dem ein Vogel sitzt, durch die Fußwärme antaut und sie festfrieren.

Vögeln im Winter helfen
Abstand halten, Rücksicht nehmen
Da es so eine schwierige Zeit für Vögel ist, sei bitte besonders vorsichtig, dass du sie nicht unnötig aufscheuchst. Halte auch deinen Hund wie gewohnt angeleint auf den Wegen. Jede Flucht verbraucht unnötig Energie, die erst wieder reingefuttert werden muss. Und das ist, wie gesagt, schwierig. An besonders kalten Tagen kann so ein Aufscheuchen schon mal über Leben und Tod entscheiden.
Zugvögel brauchen jetzt jedes Gramm, das sie sich anfuttern können. Am Ende des Winters müssen sie ja schließlich den langen Weg in ihre Brutgebiete in Rekordgeschwindigkeit zurücklegen. Unnötiges Auffliegen verschwendet immer Energie und lässt die Fettreserven schmilzen. Also: Bitte nicht aufscheuchen! Halte dich von allen Vögeln fern, auch und besonders wenn sie zutraulich wirken.
Nistkästen als Winterquartiere
Wenn du einen Nistkasten hast, halte dich bitte auch von dem fern. Die beste Zeit einen Nistkasten zu reinigen ist im Oktober/November. Jetzt nutzen ihn Vögel schon wieder als Höhle zum Übernachten. Er bietet ihnen besonders in kalten Winternächten einen windgeschützten, sicheren Ort zum Schlafen. Dadurch sparen sie auch Energie, weil es in so einer Höhle ein paar wenige Grad wärmer ist als draußen. Und deshalb kann auch so ein Nistkasten in fies-kalten Nächten tatsächlich Vogelleben retten.
Vögel füttern?!?
Bei Kälte verbrauchen Vögel viel Energie, besonders nachts. Kein Wunder, dass sie morgens einen mega Hunger haben! Es ist also wichtig, dass sie morgens schnell ihre Fettreserven wieder auffüllen können und schnell etwas zu fressen finden.
Ein besonders guter Ort, um im Winter gut Vögel sehen zu können, ist daher das heimische Futterhäusschen. Und da kann richtig was los sein! Wenn du füttern willst und noch unsicher bist oder einfach mehr wissen willst, wer was wann wie frisst, schau mal in meinen Blogpost „Vögel richtig füttern“.
Neben Futter ist Wasser auch im Winter sehr wichtig. TIPP: Wenn du in die Vogeltränke einen Korken legst, der im Wasser frei schwimmen kann, bleibt das Wasser auch bei niedrigen Temperaturen länger eisfrei.
Scheunen öffnen
Die Eulen bei uns sind nicht so spezialisiert auf Schnee wie ihre nordischen Verwandten. Außerdem sind die meisten Eulen Standvögel, die den ganzen Winter in ihren angestammten Revieren bleiben. Wenn über einen längeren Zeitraum eine dicke Schneedecke liegt, kommen viele der Mäusejäger kaum noch an ihre Beute.
Wenn du eine Scheune oder einen Stall hast (oder jemanden kennst, die/der eine hat), kannst du Eulen durch ein geöffnetes Fenster oder eine offene Luke im Tor den Einflug ermöglichen. So können sie in den Gebäuden auf Jagd gehen und du hilfst du ihnen dabei, den Winter zu überleben. Zum Dank futtern dir die Eulen ein paar der Nagetieren weg. Win-Win.

Vogelbeobachtung im Winter
Winter klingt zum Vogelgucken erstmal langweilig, weil ihm der Trubel des Frühlings und die Aufregung des Vogelzugs zu fehlen scheinen. Tatsächlich ist der Winter aber eine sehr gute Zeit, um Vögel zu beobachten, besonders für Einsteigerinnen. Es gibt zwar insgesamt weniger Arten zu sehen, aber die, die da sind, sehen wir besonders gut, weil keine Blätter an den Bäumen sind, Gartenvögel an die Futterstelle kommen und sich Wasservögel oft in der Wassermitte aufhalten. Außerdem kommen oft Überraschungsgäste zu uns, die die eigene Liste der gesehen Arten ganz bequem und umweltfreundlich vergrößern können. Der Winter bietet fürs Vogelgucken also gute Bedingungen.
Wir haben zwar leider keinen Wärmetauscher, aber es lohnt sich auch bei kalten Temperaturen rauszugehen. Grade bei plötzlichen Wintereinbrüchen und Temperaturschwankungen können die Vogelkarten ganz neu gemischt werden.
Geheimtipp: Wasserflächen
Wenn es plötzlich oder lange kalt ist, können Wasservögel weiter in den Süden fliegen, wo die Seen eisfrei sind. Aus dem Norden kommen weitere Vögel zu uns, denen es dort zu kalt wird. An manchen Wintermorgenden wirkt es, als seien über Nacht Dutzende Enten vom Himmel gefallen.
Gewässer sind jetzt ein besonders toller Ort, um Vögel zu beobachten. Viele Gänse- aber auch Entenarten aus dem Norden verbringen den Winter bei uns in Mitteleuropa. Blessgänse, Saatgänse, Weißwangengänse, Tafelenten, Reiherenten, Spießenten, Schellenten oder Pfeifenten, zum Beispiel. Nordische Gänse triffst du besonders häufig an der Nordseeküste, aber auch am Unteren Niederrhein. Coole Enten-Überraschungen kannst du aber überall erleben. Also halte auf jeden Fall die Augen offen.
Wintergäste entdecken
Im Winter kommen Vogelarten des Nordens zu uns, denen es dort zu kalt wird. Typische Wintergäste sind Seidenschwänze, Rotdrosseln und Bergfinken, zum Beispiel, und an den Küsten überwintern Schneeammern und Ohrenlerchen. Diese Arten sind bei Vogelbegeisterten besonders beliebt, weil sie so farbenfroh und spannend aussehen oder einfach nur selten zu sehen sind, so dass es immer etwas Besonders ist, sie zu sehen.
Aber auch vermeintliche Normalos wie Amseln, Rotkehlchen oder verschiedene Finkenarten aus dem Norden kommen im Winter zusätzlich zu uns. Unsere Brut-Exemplare ziehen dann vielleicht schon weiter in den Süden und deshalb fällt uns Menschen gar nicht so richtig auf, wie sehr die Vogelwelt auch im Winter im Wandel ist, weil sie für uns alle gleich aussehen.
Und genau für diese Normalos möchte ich mal wieder eine Lanze brechen. Achte doch mal darauf, wie bunt und schick sie tatsächlich sind. Goldammer, Grünspecht, Stieglitze, Blaumeisen oder auch das Rotkehlchen bringen Farbe und jede Menge Leben in die grau-weiße Jahreszeit. Auch die anderen Vögel sind schick gemustert. Wenn du genau hinsiehst, wirst du keinen einzigen langweiligen Vogel bei uns entdecken, wetten?
Die perfekte Zeit für Vogelstimmen
Der Winter ist nicht nur eine gute Jahreszeit um das Hinsehen zu üben, sondern auch zum Hören ist es jetzt eine super Zeit. Seit der Sonnenwende im Dezember werden nicht nur die Tage wieder länger und heller, sondern es wird auch immer lauter um uns.
Langsam, aber sicher werden unsere Standvögel jetzt wieder hörbarer. Sie grooven sich ein für das große Frühlingskonzert. Deshalb ist jetzt die beste Zeit, um mit Vogelstimmen anzufangen oder wieder anzufangen. Weil wir uns ganz entspannt Vogel für Vogel einhören können, bevor das große Gesangs-Chaos wieder ausbricht und alle durcheinandersingen.
Wenn du auch Lust auf einen zwitschernden, tirilierenden, fantastischen Frühling hast, komm zum Vogelstimmen Bootcamp! Da trainieren wir die Gesänge von häufig zu hörenden Standvögeln und ich verrate dir die besten Techniken und die coolsten Tricks, um Vogelstimmen zu lernen. So wirst du fit für das große Frühlingskonzert der Vögel.














Ich habe einen kleinen Stadtgarten, den ich naturnah gestaltet habe. Es fanden sich auch bald viele Kleintiere ein. Ich füttere Vögel das ganze Jahr hindurch, da die Gärten zu klein sind, um den Vögeln genug Nahrung bieten zu können.
Leider fanden sich in meinem Garten bald nach Einzug der Vögel und Mäuschen auch sämtliche Katzen der Nachbarschaft ein. Das sind VIELE!
Inzwischen sind sämtliche bodennah lebenden Vögel verschwunden. Die noch vorhandenen sind total verschreckt und ängstlich. Auch die Mäuschen sind alle weg. Nur die Katzen, die sind immer noch da.
Ich finde es ein Unding, dass ich mir als Gartenbesitzerin dieses wildernde Raubzeug gefallen lassen muss. Katzen sind die einzigen Raubtiere, die auch dann töten, wenn sie nicht hungrig sind. Sie sind hier invasiv, haben also weder in der Natur, noch in den Gärten etwas verloren. Trotzdem haben sie immer noch Narrenfreiheit und ich muss ihre Anwesenheit in meinem Garten dulden. Die dürfen nach Herzenslust alles jagen, was sich dummerweise in meinen Garten verirrt. Dazu gehören, außer Vögeln und Mäusen, auch Insekten, Reptilien und Bilche. Alles was sich bewegt und nicht zu groß ist, wird tot gebissen. Ich darf dann die Tierleichen, die nicht gefressen werden, entsorgen. Und das ist hierzulande erlaubt. Man nennt dieses Raubzeug verniedlichend „Freigänger“.
Wann wird dem endlich Einhalt geboten?
Hallo Jutta, danke für deinen Kommentar. Wie schade, dass du das bei dir erleben musstest, aber ja: Es ist leider kein Einzelfall. Ich finde es auch ein Unding, dass Katzen weiterhin einen Sonderstatus haben. Hunde und Kleinkinder lassen wir ja auch nicht mehr unbeaufsichtigt über die Straßen laufen und in fremde Gärten kacken, auch wenn die dazu bestimmt auch Lust hätten. Ich verstehe auch nicht, dass so viele Katzenhaltende da keine Verantwortung übernehmen (müssen). Ich habe dazu auch einen Artikel veröffentlicht, wo diese Diskussion auch aufgegriffen wird: 3 einfache Tricks, um Vogelleben zu schützen.