Vogelgucken im August

Hast du auch das Gefühl, dass es so still geworden ist? Sind etwa schon alle Zugvögel weg? Nee, so weit ist es noch nicht, aber die Balz- und Brutzeit ist weitestgehend vorbei und viele Vögel befinden sich in der Mauser. Deshalb leben sie jetzt etwas zurückgezogener. Die allermeisten Vogelarten sind tatsächlich noch da und freuen sich wie wir an der Fülle des Sommers. Bei einigen herrscht aber schon ein bisschen Aufbruchsstimmung: Zugvögel bereiten sich durch eine erhöhte Nahrungsaufnahme auf ihre anstrengende Reise vor. Und auch die Hierbleiber rüsten sich. Und beim Futtern und Suchen kannst du die Vögel jetzt besonders gut beobachten.

Diese Vögel kannst du im August sehen

  • Auf den jetzt abgeernteten Feldern kannst du Rabenkrähen, Dohlen oder Ringel- und Türkentauben beobachten. Dort finden sie grade ganz leicht Nahrung.
  • An Sträuchern wie Holunder und Eberesche werden die ersten Beeren reif. Das zieht Amseln, Stare, Sing- und Rotdrosseln, Klapper- und Mönchsgrasmücken, Garten- und Hausrotschwänze, Schnäpper, Buch- und Grünfinken an. Obwohl einige von ihnen Insektenfresser sind, stellen sie im August ihre Verdauung um auf Fruchtnahrung. Das gibt ihnen mehr Energie auf den ersten Zugetappen. (Wie du am Schnabel erkennen kannst, welche Nahrung ein Vogel bevorzugt, zeige ich dir hier).
  • Eichelhäher beginnen, die ersten reifen Eicheln, Nüsse und Bucheckern zu sammeln und als Nahrungsvorrat für den Winter zu verstecken. Alle Häherarten haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis und können sich tausende von Verstecken merken. Den Weltrekord hält bestimmt der Tannenhäher, der bei uns in den Alpen beobachtet werden kann. Er versteckt bis zu 100.000 Nüsse und findet an die 80 Prozent der Verstecke wieder. (Noch mehr Vogelrekorde gibt’s hier)
  • Stare, Kiebitze und Rauchschwalben sammeln sich in größeren Trupps und absolvieren bereits erste Zugstrecken.
  • Rotmilane und Mäusebussarde wagen mit ihrem Nachwuchs einen ersten Familienausflug.
  • Goldammern singen noch laut und tapfer aus Gebüschen am Wegesrand. Manche Menschen behaupten, sie würden dabei verkünden: „Wie, wie, wie hab ich dich liiiiieb“. Falls du das nicht hörst, hier noch ein paar andere gute Tipps zum Lernen von Vogelstimmen.
  • Tausende Sandregenpfeifer kommen von ihren nördlichen Brutgebieten ins Wattenmeer gezogen.
  • Auch die Brandgänse treffen im Wattenmeer ein, um sich dort zu mausern. Da ihnen dabei alle Schwungfedern gleichzeitig ausfallen, sind sie in dieser Zeit vorübergehend flugunfähig und besonders verletzlich. Sie ziehen daher rechtzeitig in ein geschütztes, nahrungsreiches Gebiet – und das liegt in Deutschland. Der Gesamtbestand (!) der europäischen Brandgänse trifft sich zur Mauser zwischen Weser- und Elbmündung. Einer der Hotspots ist die kleine Vogelinsel Trischen.
  • Die Bald-Aufbrecher solltest du jetzt dringend noch genießen, denn sie sind im August zum letzten Mal in diesem Jahr zu sehen: Pirol, Kuckuck, Wendehals und die letzten Mauersegler sind nur noch wenige Tage hier und brechen dann in den Süden auf. Nachtigallen verlassen uns bereits Mitte des Monats. Auch Neuntöter fliegen Ende des Monats ins tropische Afrika.

Und sonst so?

Jetzt ist bei vielen Arten Mauserzeit. Du findest nicht nur viele Federn auf dem Boden, sondern kannst auch bei einigen Vogelarten gut beobachten, dass sie etwas gerupft aussehen. Bei Rabenvögeln und Tauben kannst du das zum Beispiel gut erkennen.

Bei den Federn wollte ich dich noch warnen: Da nach wie vor Vögel für ihre schicken Federn getötet werden und man den Federn nicht ansieht, ob sie von alleine ausgefallen sind oder nicht, ist das Sammeln von Federn in Deutschland offiziell verboten.

Ansonsten: Genieß die Sommerwochen. Genieß die Sommergäste, solange sie da sind!

Und deshalb: Ab nach draußen! Fernglas nicht vergessen.